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Kunstgelenke: Lebensbedrohliche Infekte möglich

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Infizierte Kunstgelenke stellen eine große Herausforderung in der Medizin und eine immense Gefahr für Betroffene dar. Bei 1 bis 2 Prozent aller Prothesen treten im Laufe der Zeit Infekte auf. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Stuttgart machte Professor Dr. Ludwig Bause von der Klinik für Rheumatologie am St. Josef-Stift Sendenhorst klar, dass bestimmte Prothesen sogar deutlich häufiger betroffen sind. So würden sich Kunstgelenke am Ellenbogen etwa zehnmal häufiger infizieren als andere Prothesen. Die Folgen der Infekte reichen von lokal zerstörten schmerzhaften Gelenken oder Einsteifungen bis zur generalisierten Sepsis mit hoher Letalität, warnte der Mediziner.

Wie kommt es zu den Infekten? Bause erklärte, dass viele Bakterien in der Lage sind, an Prothesenoberflächen nicht nur anzuhaften, sondern durch Bildung eines Biofilms getarnt regelrecht zu siedeln. Ist dieser Prozess abgeschlossen, sind die darin lebenden Keime weder durch die körpereigene Abwehr noch durch Antibiotika angreifbar.

Der Referent erinnerte daran, dass die Infekthäufigkeit bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) sowohl aufgrund der Erkrankung als auch durch die notwendige medikamentöse Immunsuppression erhöht ist. Besonders tückisch sei, dass das Gelenk unter Immunsuppression trotz Infektion völlig normal aussehen kann. Auch die Verwechslung mit einem Krankheitsschub sei möglich. «Eine zu späte Erkennung des Infekts kann fatale Folgen haben», so Bause. Eine frühzeitige Diagnose sei deshalb umso wichtiger. Diese ermöglicht es dann, das Kunstgelenk durch eine Operation zu erhalten. Bei einer späten Diagnose ist ein Austausch des Gelenks vonnöten, was zwei Operationen notwendig macht: Bei der ersten wird das Kunstgelenk entfernt und durch einen Platzhalter ersetzt. Ist die Infektion überwunden, können die Patienten ein neues Gelenk erhalten.

Seit einigen Jahren steht Ärzten für die Infektdiagnostik bei Kunstgelenken der α-Defensin-Test zur Verfügung. Dieser liefert innerhalb einer Viertelstunde ein Ergebnis. Allerdings wissen die Ärzte dann nur, ob eine Infektion vorliegt, mit welchem Erreger sie es zu tun haben, erfahren sie dadurch nicht. (ss)

 

08.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/julianemartens