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Forschung: Neue Wirkstoffe sollen Nervenzellen reparieren

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Bald soll es möglich sein, geschädigte Neuronen zu schützen und zur Selbstreparatur anzuregen. Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie anlässlich ihrer heute startenden Jahrestagung in Leipzig. In ersten Versuchen an Patienten mit Sehnerv-Entzündung, einem der ersten Symptome der Multiplen Sklerose (MS), konnte der monoklonale Antikörper Opicinumab die Leitfähigkeit des Nervus opticus verbessern. «Das deutet darauf hin, dass Remyelinisierung stattfindet», kommentiert Professor Dr. Ralf Linker, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Neuroimmunologischen Forschungslabors in Erlangen.

Auch das seit Langem als Antiepileptikum eingesetzte Phenytoin wirke bei Sehnerv-Entzündung schützend. Ergebnisse einer Studie aus England zeigten, dass eine Blockade von Ionen-Kanälen an geschädigten Nervenhüllen diese Schutzhülle vor dem Untergang durch schädliche Salzströme retten kann. Vorherige Studien in Zellkultur und experimentellen Modellen hatten das bereits nahegelegt.

Linker und Kollegen forschen mit dem Nahrungsergänzungsmittel Propionsäure. «Die Propionsäure dämmt nicht nur Entzündungen bei MS ein, sondern zeigt in Nervenzellkulturen aus Stammzellen von Patienten auch schützende Effekte, sodass hier bald beginnende klinische Studien mit großer Spannung erwartet werden», sagt Linker.

«Aktuell werden unterschiedliche Ansätze in verschiedenen Phasen klinischer Studien untersucht, die eine neue Dimension der Behandlung eröffnen könnten», hofft der Neurologe. Dies könne eines Tages auch bei der Therapie anderer neurologischer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer zu Fortschritten führen. (dh)

21.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/adimas