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Diabetes-Gesellschaft: Politik muss jetzt handeln!

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Die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der etwa 6,7 Millionen Diabetespatienten in Deutschland muss sichergestellt werden. Das fordert die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) unter dem Motto «Politik und Diabetes: jetzt handeln!» in einem Positionspapier von der künftigen Bundesregierung. «Die politisch Verantwortlichen dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass die Bekämpfung der Volkskrankheit Diabetes angesichts der alternden Bevölkerung eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen ist», erklärt DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland heute in einer Pressemeldung der Fachgesellschaft.

 

Appelle an die Vernunft des Einzelnen seien gescheitert, nun müsse der Gesetzgeber eingreifen. «Die Politik muss es den Menschen erleichtern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu pflegen», bekräftigt Professor Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG. Gesunde Lebensmittel mit niedrigem Zucker-, Fett- und Salzgehalt von der Mehrwertsteuer zu befreien, stellt für die DDG sowie die Deutsche Diabetes-Hilfe und die Deutsche Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten dabei eine wesentliche Maßnahme dar. «Das schafft Anreize für eine gesunde Ernährung, ohne den Bürger zu belasten.» Ebenso eine verpflichtende Kennzeichnung aller Lebensmittel mit einem leicht verständlichen Ampel-System. Verboten gehört für die DDG dagegen Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet.

 

In ihrer Pressemeldung zeigt die DDG eine ganze Reihe von Missständen, Forderungen und Verbesserungsvorschlägen auf. Beklagenswert sei beispielsweise, dass die «Sprechende Medizin» zunehmend ins Hintertreffen gerate und klinische Lehrstühle für Diabetologie sowie selbstständige diabetologische Fachabteilungen immer häufiger dem Rotstift zum Opfer fielen. Die Diabetologie müsse zudem stärker im theoretischen und praktischen Teil des Medizinstudiums verankert werden, erklärt Gallwitz. Auch für eine bundeseinheitliche diabetologische Zusatz-Weiterbildung auf hohem Niveau spricht sich die DDG aus sowie für die Förderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, um mit modernsten Technologien und Forschungsansätzen innovative Strategien für die Prävention, Therapie und Diagnose von Diabetes zu entwickeln.

 

Eine große Chance sieht DDG-Präsident Müller-Wieland auch in der Digitalisierung, denn «Diabetes ist eine Datenmanagement-Erkrankung». Hier jedoch sei wiederum die zügige Umsetzung des E-Health-Gesetzes Voraussetzung. Um sicherzustellen, dass Prävention und Therapie ressortübergreifend und dauerhaft im Fokus der Politik stehen, fordert die Fachgesellschaft in der kommenden Legislaturperiode die Benennung eines Beauftragten der Bundesregierung für Diabetes, Adipositas und Prävention. Abschließend äußert die DDG in ihrem Schreiben die Erwartung, als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft bei der Festlegung des medizinischen Standards nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) V regelhaft eingebunden zu werden.

 

Die DDG ist eine medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland mit mehr als 9000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes. Die Fachgesellschaft unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen, entwickelt Leitlinien und unternimmt auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten. (ke)

 

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19.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/nmann77