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56 Millionen Euro für Antibiotika-Forschung

Deutschland stellt zusammen mit anderen internationalen Geldgebern rund 56 Millionen Euro für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika bereit. Das teilte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto, CDU) heute gemeinsam mit Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in Berlin mit. Das Geld geht an die gemeinnützige Initiative Globale Partnerschaft für Antibiotika-Forschung und Entwicklung – GARDP.

 

«Trotz der Gefahr durch weltweit zunehmende Antibiotikaresistenzen sind in den letzten Jahrzehnten kaum neue Antibiotika auf den Markt gekommen», sagte Gröhe. Deshalb hätten sich die G20-Staaten unter deutscher Präsidentschaft in diesem Jahr dazu verpflichtet, die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe voranzutreiben. Diese Finanzspritze sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die globale Gefahr, die von Antibiotikaresistenzen ausgehe.  

 

Dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zufolge können ohne wirksame Antibiotika weder Krebstherapien, noch chirurgische Eingriffe oder Organtransplantationen durchgeführt werden. Auch für die Versorgung Frühgeborener seien Antibiotika unerlässlich. Allerdings sind nach Angaben des Ministeriums in den vergangen 30 Jahren viele Antibiotika-Entwicklungsprogramme aufgrund der «komplexen wissenschaftlichen Arbeit, unzureichender Kapitalrendite oder als Folge unternehmerischer Entscheidungen eingestellt worden». Aus dem Grund hatten sich die G20-Staaten darauf geeinigt, gemeinsam Schritte einzuleiten. Dazu gehört neben dem gezielten Kampf gegen Resistenzen und der Forschungsarbeit, auch alternative Therapiemethoden und Impfstoffe zu entwickeln.

 

Die Bundesregierung erhöht daher ihre GARDP-Förderung für 2016 und 2017 aus dem Haushalt des Bundesgesundheitsministeriums um 1,35 Millionen Euro auf insgesamt 2,6 Millionen Euro. Für 2018 bis 2022 gibt es weitere 50 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesforschungsministeriums. Weitere knapp 5 Millionen Euro kommen aus den Niederlanden (2 Millionen Euro), Großbritannien (1,1 Millionen Euro), der Schweiz (440.000 Euro), Südafrika (390.000 Euro), Luxemburg (100.000 Euro) und dem Londoner Wellcome Trust (1,1 Millionen Euro).

 

Mit den neuen Mitteln können nun vier Programmbereiche der GARDP unterstützt werden. Das sind die Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten und die Wiederherstellung des Antibiotika-Gedächtnisses durch den Experten-Austausch über eine digitale Plattform sowie die Bekämpfung der Neugeborenen-Sepsis und die Entwicklung einer pädiatrischen Antibiotika-Plattform mit klinischen Studien.

 

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Deutschland begrüßt den Vorstoß. «Es zeigt, dass die Bundesregierung den wichtigen Handlungsbedarf in diesem Bereich erkannt hat», so Marco Alves von der Medikamentenkampagne der Organisation. Auch die künftige Regierung sollte Alves zufolge diesen Trend fortsetzen und dafür sorgen, dass bisher fehlende Forschung zu dringend benötigten Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten, zum Beispiel gegen Tuberkulose oder die Schlafkrankheit, stärker gefördert wird. (je)

 

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04.09.2017 l PZ

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler