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Alzheimer: Frühdiagnose über das Auge möglich?

Forscher hoffen, Alzheimer in Zukunft früher und ohne invasive Methoden zuverlässig diagnostizieren zu können – mittels Curcumin-Färbung von Beta-Amyloid-Plaques in der Netzhaut. Denn die typischen Proteinhaufen finden sich nicht nur im Gehirn, sondern auch in der Retina, die Teil des zentralen Nervensystems ist. Wissenschaftler versuchen daher vermehrt, neurologische Diagnosen über das Auge zu stellen.

 

Forscher aus den USA und Australien untersuchen derzeit in einer Studie mit rund 200 Freiwilligen die Machbarkeit einer retinalen Diagnose. Ein Teil der Patienten ist bereits an Alzheimer erkrankt, ein weiterer Teil leidet unter milden kognitiven Einschränkungen und eine dritte Gruppe zeigte bislang keine Anomalitäten im Gehirn. Die Probanden werden zunächst auf herkömmliche Weise per Positronen-Emission-Tomografie (PET) auf Amyloid-Ablagerungen im Gehirn untersucht. Zusätzlich schauen die Wissenschaftler sich die Netzhaut der Teilnehmer mit einer laserbasierten optischen Methode an. Dabei färbt Curcumin, ein Wirkstoff aus der Kurkuma-Pflanze, die Beta-Amyloid-Plaques in der Netzhaut ein, heißt es in einer Pressemitteilung des beteiligten Cedars-Sinai-Krankenhauses in Los Angeles.

 

Vor Kurzem veröffentlicht wurden die Daten einer Untersuchung mit gespendetem Hirn- und Retina-Geweben von 37 verstorbenen Alzheimer-Patienten und Kontrollen. Die Färbe-Methode wurde parallel in einer Proof-of-Concept-Studie an 16 lebenden Patienten evaluiert. Die Ergebnisse sind im Fachjournal «JCI Insight» publiziert.

 

Eine optische Diagnose-Möglichkeit hätte viele Vorteile: Sie wäre nicht invasiv, schmerzlos und nicht toxisch, im Gegensatz zu einer Liquor-Punktion oder einem PET-Scan, bei dem radioaktive Isotope verabreicht werden müssen. Zudem wäre sie einfacher und damit preisgünstiger und würde bei entsprechender Zuverlässigkeit als Screening-Methode eignen. Nach Angaben der Forscher seien Anomalitäten in der Retina viel früher als klinische Symptome zu beobachten – um 15 bis 20 Jahre. Die Plaques ließen sich in der Netzhaut früher nachweisen als im Gehirn. Das würde eine Frühdiagnose erlauben und die Entwicklung kurativer Arzneistoffe, die früh in die Pathogenese eingreifen, erleichtern. Bislang eingesetzte Tests ermöglichen die Diagnose erst in späten Stadien der Erkrankung, bei der eine Progression mit den derzeit verfügbaren Medikamenten nur leicht verzögert werden kann. (dh)

 

DOI: 10.1172/jci.insight.93621

 

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22.08.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Elenathewise