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MS: Absetzen von Fingolimod könnte Schub verursachen

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Möglicherweise kann es nach Absetzen des Multiple-Sklerose-Mittels Fingolimod (Gilenya®) zu einem neuen Erkrankungsschub bei den Patienten kommen. Darüber informiert jetzt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in einer Drug Safety Mail und bezieht sich auf entsprechende Warnungen der britischen Arzneimittelbehörde.

 

Demnach wurden bei einer Auswertung von Krankenakten im Fachjournal «JAMA Neurology» 46 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) identifiziert, die aus unterschiedlichen Gründen Fingolimod abgesetzt hatten. Sie wurden teilweise auf andere verlaufsmodifizierende Arzneimittel umgestellt. Fünf Patientinnen erlitten 4 bis 16 Wochen nach Absetzen des Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptorantagonisten einen unerwartet schweren MS-Schub mit neuen Läsionen im Nervensystem. Neben dieser Auswertung fanden die Autoren bei einer Literaturrecherche Berichte über elf weitere Patienten, die einen schweren Rebound nach Absetzen von Fingolimod erlitten. Auch bei einer Umstellung von Fingolimod auf den monoklonalen Antikörper Alemtuzumab (Lemtrada®) kam es einer anderen Beobachtungsstudie im Fachjournal «Neurology» zufolge bei neun MS-Patienten zu unerwartet schweren Schüben.

 

Laut AkdÄ bewerten derzeit die nationalen Arzneimittelbehörden sowie die Europäische Arzneimittelagentur das Risikopotenzial von Fingolimod neu. Ärzte und Apotheker sind aufgerufen, mögliche Nebenwirkungen einschließlich möglicher Rebound-Effekte nach Absetzen von Fingolimod den Arzneimittelkommissionen zu melden. (dh)

 

DOI: 10.1001/jamaneurol.2016.0826 («JAMA Neurology»)

DOI: 10.1212/NXI.0000000000000320 («Neurology»)

 

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Wirkstoffprofile Fingolimod|Gilenya®|51|2011 und  Alemtuzumab|Lemtrada®|51|2013 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

27.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Hermann