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Melanome: Personalisierte Impfung bekämpft Krebs

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Forschern ist es erstmals gelungen, das Immunsystem von Hautkrebspatienten mit einer individuellen Impfung zielgerichtet auf den Tumor auszurichten. Gleich zwei kleine Studien am Menschen wurden jetzt im Fachjournal «Nature» veröffentlicht. Das Besondere an den Vakzinen: Sie enthalten individuell ausgesuchte Antigene der Tumorzellen oder die entsprechende RNA. Sie richten sich also gegen spezifische Mutationen, die bei jedem Melanom-Patienten anders sein können.

Dazu hatten die Forscher zuvor die Tumor-Genome der Teilnehmer sequenziert und diejenigen Mutationen ausgesucht, die am wahrscheinlichsten eine Immunantwort auslösen würden. Die eine Gruppe um Dr. Catherine Wu vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston behandelte sechs Melanom-Patienten mit individuell hergestellten Vakzinen, die bis zu 20 Antigenfragmente auf Proteinbasis enthielten. Bei den Probanden war der Tumor zuvor chirurgisch entfernt worden, doch hatten sie ein hohes Rezidivrisiko, was auf etwa die Hälfte aller Melanom-Patienten zutrifft.

Nach zwei Jahren Beobachtungszeit blieben vier der sechs Probanden tumorfrei. Bei den übrigen zwei Patienten konnte das Rezidiv erfolgreich mit einem PD1-Hemmer bekämpft werden – ein Arzneimittel, das ebenfalls die eigene Immunabwehr mobilisiert.

Die zweite Gruppe um Professor Dr. Ugur Sahin von der Universität Mainz und dem Spin-Off BioNTech behandelte 13 Melanom-Patienten im Endstadium mit RNA-basierten Impfstoffen. Die enthaltene RNA kodierte für bis zu zehn mutierte Proteine. Acht Patienten hatten zum Impfzeitpunkt keinen sichtbaren Tumor und blieben zwei Jahre tumorfrei. Die anderen fünf Probanden einen Rückfall. Bei zwei dieser Teilnehmer schrumpften die Tumoren zunächst, bei einem von ihnen kam der Hautkrebs zurück. Ein dritter Proband erreichte dank folgender Einnahme eines PD1-Hemmers eine komplette Remission.

Das gibt den Wissenschaftler Hoffnung, therapeutische Impfungen weiterzuentwickeln und in größeren Studien zu testen. Dabei sollen die Vakzinen auch mit PD1-Inhibitoren kombiniert werden, um die Immunantwort auf die fremden Tumorzellen noch stärker ausfallen zu lassen.

Eine Schwierigkeit ist bislang noch die aufwendige Herstellung der personalisierten Impfstoffe, die für die Studien etwa drei Monate dauert – zu lang, um auf eine Therapie der bestehenden Krebserkrankung zu verzichten. Doch beide Forschergruppen sind zuversichtlich, die Produktion beschleunigen zu können. Wu schätzt, dass sechs Wochen ausreichen könnten.

Unklar ist noch, bei wie vielen Krebsarten sich der immunbasierte Therapieansatz anwenden lässt. «Jeder Patient entwickelte Immunantworten gegen mehrere der für die Vakzine ausgewählten Zielstrukturen. Das lässt den Schluss zu, dass es prinzipiell möglich sein könnte, das patienteneigene Immunsystem in die Lage zu versetzen, eine große Bandbreite an Krebsarten zu bekämpfen», sagte Sahin.

 

Während bei Melanomen in der Regel einige verschiedene Mutationen aufweisen, die mehrere Ansatzpunkte liefern, finden sich bei anderen Tumorarten nur wenige Mutationen. Das lässt das Risiko für Resistenzen steigen. Derzeit sei noch unklar, wie viele Angriffspunkte für eine zuverlässige Wirkung nötig sind. Laut einem begleitenden Artikel in «Nature» befindet sich jedoch eine ganze Reihe therapeutischer Krebsimpfungen in der Pipeline. Die RNA-Vakzine aus Mainz mit dem Namen Ivac® Mutanome soll nun gemeinsam mit Genentech, das zur Roche-Gruppe gehört, weiterentwickelt werden. (dh)

doi:10.1038/nature22991 (Wu et al.)
doi:10.1038/nature23003 (Sahin et al.)

 

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06.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/M.Dörr & M.Frommherz