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Medikationsplan: Grüne wollen Rolle der Apotheker stärken

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Die Grünen wollen die Apotheker nach der Bundestagswahl stärker in die Erstellung von Medikationsplänen einbeziehen. Das geht aus einem Papier zur Digitalisierung im Gesundheitswesen hervor, das die Grünen-Politiker Maria Klein-Schmeink, Konstantin von Notz, Kordula Schulz-Asche, Elisabeth Scharfenberg und Harald Terpe gemeinsam verfasst haben.

 

Das E-Health-Gesetz der aktuellen Bundesregierung betrachte die Digitalisierung allein aus dem Blickwinkel der Ärzte, heißt es. «Die anderen Gesundheitsberufe spielen keine Rolle.» Das müsse sich unbedingt ändern. Mit dem Gesetz haben Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan erhalten, wenn sie regelmäßig mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen. Erstellen und bearbeiten können den allerdings nur die Ärzte. Aus Sicht der Grünen gibt es keinen triftigen Grund, warum die Apotheker mit ihrer pharmakologischen Kompetenz an dieser Stelle nicht stärker einbezogen werden. Schließlich hätten sie oftmals den besten Überblick über die Medikation des Patienten «und genießen zu Recht ein hohes Vertrauen». Die Partei will den Apothekern daher mehr Kompetenzen bei der Mitwirkung am digitalen Medikationsplan übertragen, der den aktuell noch papiergebundenen Plan schon bald ablösen soll.

 

Auch mit Blick auf weitere Gesundheitsberufe wie Pflegekräfte und Therapeuten werten die Grünen das E-Health-Gesetz als «eine vertane Chance». Auch diese Berufe müssten in der Telematik eine größere Rolle spielen und auf individuellen Wunsch des Patienten auf dessen Gesundheitsdaten zugreifen können. «Nur so werden wir der wachsenden Bedeutung ganzheitlicher Patientenversorgung durch eigenverantwortliches Handeln von Pflegekräften gerecht, sorgen für einen effektiven Informationsfluss und verbessern so die Versorgung.»

 

Nach Meinung der Grünen hat die Bundesregierung mit Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen an vielen Stellen versagt. So habe die Koalition auf das elektronische Rezept verzichtet und dafür gesorgt, dass Patienten Rezepte aus Online-Praxen hierzulande nicht einlösen können. «Das war ein fatales und falsches Signal für die gute Patientenversorgung in der Zukunft», schreiben sie. In der nächsten Legislaturperiode müsse der Patient wieder stärker im Mittelpunkt stehen. Die Grünen nehmen dabei unter anderem die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte ins Visier, die für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verantwortlich ist. Dort sollten auch Patientenvertreter in den Entscheidungsgremien mitbestimmen dürfen, fordern sie. Wer es mit einer patientenorientierten Telematikinfrastruktur wirklich ernst meine, der dürfe nicht länger auf die Perspektive der Patienten verzichten. (sch)

 

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20.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/pandpstock001