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Leukämie: Erstes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat verfügbar

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Die Europäische Kommission hat das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin zur Behandlung bestimmter Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) zugelassen. Besponsa® darf als Monotherapie bei Erwachsenen mit rezidivierender oder refraktärer CD22-positiver B-Vorläuferzell-ALL eingesetzt werden. Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver rezidivierender oder refraktärer ALL können auch mit Besponsa behandelt werden, wenn sie zuvor auf mindestens einen Tyrosinkinase-Hemmer nicht ausreichend angesprochen haben. Laut Hersteller Pfizer wird das Präparat ab dem 15. Juli auf dem Markt verfügbar sein.

 

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie INO-VATE ALL. In dieser wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Inotuzumab Ozogamicin im Vergleich zu einer Standard-Chemotherapie bei 326 erwachsenen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer-ALL untersucht. Als erster primärer Endpunkt war eine komplette Remission definiert, die mit 80,7 Prozent unter Besponsa signifikant mehr Patienten als unter der Chemotherapie erreichten (29,4 Prozent). Auch im zweiten primären Endpunkt, dem medianen Gesamtüberleben, zeigte sich Besponsa mit 7,7 Monaten gegenüber der Chemotherapie mit 6,7 Monaten überlegen. Häufigste Nebenwirkungen waren Thrombozytopenie, Neutropenie, Anämie, Leukopenie, Infektionen, Blutungen und venookklusive Lebererkrankungen.

 

Inotuzumab ist ein CD22-Antikörper, der in Besponsa an das zytotoxische Antibiotikum Calicheamicin gebunden ist. Mehr als 90 Prozent der Patienten mit B-Zell-ALL exprimieren den Rezeptor CD22 auf der Zelloberfläche. Inotuzumab Ozogamicin bindet selektiv an CD22, woraufhin der Konjugat-Komplex in das Zellinnere aufgenommen wird. Dort wird dann Calicheamicin freigesetzt und die Krebszelle abgetötet. (kg)

 

03.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Emir Jordamovic