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Herzinfarkt: Metoprolol versetzt Immunzellen in Schockstarre

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Forscher haben jetzt entdeckt, wie der Betablocker Metoprolol den Schaden am Herzen nach einem Myokardinfarkt reduziert. Der altbekannte Betablocker scheint neutrophile Granulozyten in eine Art Schockstarre zu versetzen und so angeschlagene Herzmuskelzellen nach einem Herzinfarkt vor tödlichen Entzündungsreaktionen zu schützen. Der Mechanismus konnte in Tier- und Zellmodellen nachgewiesen werden, berichteten Forscher um Dr. Borja Ibáñez vom Nationalen Zentrum für kardiovaskuläre Forschung Carlos III (CNIC) in Madrid vor Kurzem im Fachjournal «Nature Communications».

Bei einem Herzinfarkt gilt es, das verschlossene Blutgefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen, beispielsweise durch einen Katheter, damit das Gewebe wieder durchblutet wird. Bei dieser sogenannten Reperfusion gelangen auch Zellen des Immunsystems an die geschädigten Kardiomyozyten. Dort können sie Entzündungsreaktionen auslösen und zu zusätzlichen Schäden führen. Bislang wurden solche Reperfusionsverletzungen als unvermeidbar angesehen. Die Forscher vom CNIC konnten jedoch bereits 2013 in einer klinischen Studie zeigen, dass die möglichst sofortige intravenöse Gabe von Metoprolol nach einem Herzinfarkt noch vor der Reperfusion das Ausmaß des Schadens begrenzt. Doch wie der selektive β1-Andrenorezeptorantagonist das Herz dabei schützt, war bislang unklar.

Die Gruppe zeigte nun, dass eine Blockade von β1-Rezeptoren die Interaktion zwischen neutrophilen Granulozyten und Thrombozyten verhindert, die notwendig ist, damit die Neutrophilen zu den geschädigten Zellen gelangen. Metoprolol verhindert dabei bestimmte Konfigurationsänderungen der Immunzellen, ohne die diese keinen Kontakt zu den Blutplättchen aufnehmen können. Zudem wird so die Bildung neuer kleiner Blutgerinnsel verhindert. Die Wissenschaftler sehen hier eine mögliche neue Indikation für die Applikation von Metoprolol. (dh)

DOI: 10.1038/NCOMMS14780

 

26.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/chalabal