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Medikationsmanagement: «Ohne Apotheker geht es nicht»

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Der papiergebundene Medikationsplan kommt bislang selten zum Einsatz. Wer ihn hat, profitiert kaum davon. Was Patienten mit Polymedikation wirklich nützt, ist eine intensive und strukturierte Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker. Das zeigen die jetzt veröffentlichten Ergebnisse des Modellprojekts PRIMA.

Das Kürzel PRIMA steht für Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung. Das Modellprojekt der ABDA, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der AOK Plus und weiterer Partner hatte das Ziel, herauszufinden, wie Medikationspläne erstellt und eingesetzt werden sollten, damit sie Ärzten, Apothekern und Patienten nutzen und breite Anwendung finden. Das Besondere: PRIMA ist vollständig in die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) eingebunden und dient darüber hinaus der Erprobung der technischen Infrastruktur.

Während ARMIN noch läuft, hat PRIMA inzwischen Resultate geliefert. Das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Projekt sollte eigentlich die Akzeptanz des bundeseinheitlichen Medikationsplans ins Visier nehmen – und belegt stattdessen vor allem den hohen Stellenwert der gemeinsamen Betreuung des Patienten durch Arzt und Apotheker im Medikationsprozess. «Um herauszufinden, wie Leistungserbringer und Patienten das Werkzeug Medikationsplan und die strukturierte Zusammenarbeit der beiden Berufsgruppen im Alltag bewerten, haben wir je elf teilnehmende Ärzte und Apotheker sowie insgesamt 103 Patienten zu ihren Erfahrungen befragt», berichtete Uta Müller, Leiterin der Abteilung für wissenschaftliche Entwicklung bei der ABDA und dort für ARMIN und PRIMA zuständig. «Dabei hat sich ganz klar gezeigt: Ohne Apotheker geht es nicht.»

Der Medikationsplan spiele für die Patienten eine eher untergeordnete Rolle, erklärte Müller im Gespräch mit der PZ. «Sie stufen ihn zwar grundsätzlich als hilfreich ein, im Mittelpunkt stehen für sie aber das Betreuungskonzept und der verbesserte Austausch zwischen Arzt und Apotheker.» Während viele PRIMA-Teilnehmer demnach den Plan zuhause bei ihren Unterlagen ablegten, profitierten sie vor allem vom verbesserten Zusammenspiel der beiden Berufsgruppen und beschreiben eine intensivere Bindung sowohl an ihre Apotheke als auch an ihren behandelnden Arzt. «Die meisten empfinden diesen Austausch als Sicherheitsnetz, das für sie gespannt wird», sagte Müller. «PRIMA hat gezeigt, dass den meisten Patienten mehr Wissen zu ihren Arzneimitteln gar nicht im Vordergrund steht. Entscheidend ist vielmehr das Gefühl, dass Arzt und Apotheker sich gut abstimmen und sie so davon ausgehen können, die bestmögliche Betreuung zu erhalten.»

Ein weiteres Ergebnis des Modellprojekts dürfte den Apothekern ganz besonders in die Karten spielen: Ausnahmslos alle teilnehmenden Ärzte bewerteten die Kooperation mit den Pharmazeuten als sehr relevant für die Qualität des Medikationsplans. Rund 80 Prozent von ihnen befürworteten eine weitere Zusammenarbeit und gaben an, das Erfassen der Medikation in den Offizinen und die zugehörige Prüfung auf Arzneimitteltherapiesicherheit habe sich als äußert nützlich erwiesen. «Das ist ein wichtiger Erfolg für die Apotheker», betonte Müller. «Bei PRIMA haben Ärzte und Apotheker zum ersten Mal auf Augenhöhe die Betreuung der Patienten übernommen und alle von uns befragten Leistungserbringer wollen damit weitermachen.» Eine der Empfehlungen im Abschlussbericht, den das BMG bereits Ende April erhalten hat, lautet daher, das Erstellen und Fortschreiben des Medikationsplans in einen interdisziplinären strukturierten Prozess umzuwandeln. Daran sollten Ärzte und Apotheker  gleichermaßen beteiligt werden – ein angemessenes Honorar für beide Seiten vorausgesetzt. (cm)

 

27.06.2017 l PZ

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