Pharmazeutische Zeitung online

Grippeimpfung als Pflaster für den Hausgebrauch

Datenschutz bei der PZ

US-Forscher haben eine Influenzavakzine im Pflasterformat entwickelt, mit der man sich zu Hause schmerzfrei selbst impfen kann. In einer ersten randomisierten Studie am Menschen stellte sich die Anwendung als sicher heraus, berichtet heute das Entwicklerteam von der Emory-Universität im US-Bundesstaat Georgia und dem Georgia Institute of Technology in der Fachzeitschrift «The Lancet». Ein Großteil der Teilnehmer gab an, das Pflaster der herkömmlichen Grippeimpfung per Spritze vorzuziehen. Die Wissenschaftler hoffen, dass die neue Applikationsform, wenn sie es bis zur Zulassung schafft, die Impfbereitschaft erhöht.

Bei der neuen Arzneiform handelt es sich um ein Pflaster, auf dem sich 100 Mikronadeln befinden, die wiederum die verkapselten Antigene enthalten. Die Teilnehmer klebten sich das Pflaster auf das Handgelenk. Die Mikronadeln dringen daraufhin schmerzlos in die Haut ein, lösen sich dort vollständig auf und setzen Hämagglutinin als Antigen frei. Nach etwa 20 Minuten kann das Pflaster wieder entfernt werden. Nach Vorstellungen der Forscher sollen die Menschen das Impfpflaster in ein paar Jahren in der Apotheke bekommen können. Die Arzneiform sei ein Jahr lang bei 40 °C haltbar , was Transport und Lagerung erheblich vereinfachen und verbilligen würde. Durch die Selbstapplikation würden Ressourcen in Arztpraxen frei.

An der Phase-I-Studie nahmen 100 Probanden im Alter von 18 bis 49 Jahren teil, die sich in der Saison noch nicht gegen Grippe hatten impfen lassen. In den ersten zwei Gruppen klebte das Studienpersonal den Probanden entweder das Impfpflaster oder ein technologisch identisches Placebo-Pflaster auf. Eine dritte Gruppe durfte sich das antigenhaltige Pflaster selbst aufkleben. Eine vierte Kontrollgruppe erhielt die herkömmliche Grippeimpfung (Fluvirin®) per Injektion mit gleicher Antigendosis wie im Pflaster enthalten. In den folgenden sechs Monaten erkrankte keiner der Teilnehmer an Influenza. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. In der Injektionsgruppe wurden am häufigsten Schmerzen und Spannung beschrieben. Die Probanden mit Pflaster berichteten über Rötung, Juckreiz und Spannung. Die Häufigkeit war zwischen Injektion und Pflaster vergleichbar.

Nach Angaben der Studienautoren konnten die Selbstanwender, angeleitet durch ein Video, durch einen hörbaren und taktilen Feedback-Mechanismus überprüfen, ob sie genug Druck bei der Applikation des  Pflasters aufgewendet hatten. Nach der Impfung hätten Untersuchungen gezeigt, dass sich die Mikronadeln aufgelöst hatten. Die Pflaster enthielten kein spitzes Material mehr und konnten somit einfach und sicher entsorgt werden.

Die Pilotstudie bewies nicht nur die Verträglichkeit und Akzeptanz der neuen Methode. Die Forscher konnten auch zeigen, dass die Teilnehmer nach 28 Tagen eine robuste Impfantwort vergleichbar mit der der herkömmlichen intramuskulären Injektion entwickelten. Dazu bestimmten sie die Antikörper-Titer. Größere Studien müssen die Ergebnisse noch bestätigen, betonen die Forscher. (dh)

DOI: 10.1016/S0140-6736(17)30575-5

Video zur Studie (externer Link zu Youtube)

 

28.06.2017 l PZ

Foto: Georgia Tech