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Drogenbericht: Fentanyl bereitet zunehmend Sorgen

Laut Jahresbericht der Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union (EMCDDA) ist die Zahl der Drogentoten in Europa besorgniserregend gestiegen. Dabei starben 2015 mindestens 8441 Menschen an Drogen, davon 79 Prozent an Opioiden. «Eine besondere Bedrohung stellt hier Fentanyl dar», sagte EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel am Dienstag bei der Präsentation des Berichts. Dieses hochpotente synthetisch hergestellte Opioid, das unter anderem in Schmerzpflastern zu finden ist, wirkt deutlich stärker als Heroin oder Morphin.

 

In Europa soll es rund 1,3 Millionen problematische Opioidkonsumenten geben. Der Teenie, der noch etwas «higher high» werden möchte, ist genauso bedroht wie der Sportler, der trotz Schmerzen nicht pausieren möchte. Finanzschwache Abhängige steigen in den Krankenhausmüll, um dort gebrauchte Pflaster zu sammeln und das Fentanyl herauszukochen. Die meisten kennen die Konzentration nicht. Dabei kann eine Fentanyl-Dosis so klein wie zwei, drei Sandkörner laut Experten bereits tödlich sein. Extrem gefährlich ist die Kombination mit Alkohol und Medikamenten, wie Goosdeel in Brüssel warnte.

 

Ein einziges Labor kann mit ein paar Kilo Fentanyl halb Europa versorgen. Wie bei anderen sogenannten Designer-Drogen, darunter Cannabinoide und Cathinone, kann man auch bei synthetischen Opioiden wie Fentanyl schon durch leichte Veränderungen der Molekularstruktur neue Derivate produzieren, die von den Drogenkontrollsystemen wegen der «Verkleidung» lange Zeit nicht erfasst werden. Alleine 2016 wurden acht neue Fentanyl-Derivate über das EU-Frühwarnsystem gemeldet. Für die organisierte Kriminalität sind sie deshalb eine sehr attraktive Ware.

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07.06.2017 l PZ/dpa

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