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TV-Dokumentation: Fälschungen in deutschen Apotheken

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Deutsche Apotheker sollten sich nicht wundern, wenn ihre Patienten sich die gerade erworbene Arzneimittelpackung heute ganz genau anschauen. Gestern Abend veranstaltete die ARD nämlich den Themenabend «Gefährliche Medikamente». Darin ging es um Arzneimittelfälscher im Ausland und unübersichtliche Lieferketten, die bis in deutsche Apotheken reichen.

 

Zur Primetime um 20:15 lief zunächst der Spielfilm «Gift» mit Heiner Lauterbach und Maria Furtwängler, in dem eine Interpol-Ermittlerin Arzneimittel-Fälscher im Ausland verfolgt. Anschließend strahlte die ARD die Dokumentation «Gefährliche Medikamente – gepanscht, gestreckt, gefälscht» aus. Hier kam eine echte Interpol-Ermittlerin zu Wort, außerdem ein ehemaliger Sicherheitschef eines Pharmaunternehmens, ein Ex-Mitarbeiter eines indischen Medikamenten-Herstellers und mehrere Apotheker. Auch eine Krebspatientin und ihr Arzt wurden interviewt – die Krankheit der Frau hatte sich nach der Einnahme einer vermutlich gefälschten Packung Sunitinib (Sutent®) dramatisch verschlechtert.

 

Tenor der Dokumentation: Große Pharmakonzerne produzieren günstig in Niedriglohnländern, kontrollieren die Produktion dort aber viel zu wenig. Aus Angst vor Imageschäden gingen sie Hinweisen auf Fälschungen nicht nach, sodass über verschlungene Lieferwege minderwertige, verunreinigte oder unwirksame Medikamente in die ganze Welt gelangen. Auch die Behörden kontrollierten zu lasch, klagen die Insider in der Dokumentation. Es gebe Fälle von Bestechlichkeit. Ein deutscher Apotheker erzählt, dass er in dieser Hinsicht nicht nur den Großhändlern und Importeuren, sondern auch seinen eigenen Kollegen und den Ärzten misstraut. Auch Professor Martin Schulz von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) kommt zu Wort und beklagt die intransparenten Vertriebsketten. «Die lückenlose Kontrolle ist nicht so, wie sie sein sollte», so Schulz.

 

Die Pharmaunternehmen wehren sich gegen die Darstellung in der ARD. Nur in Einzelfällen seien Fälschungen in deutschen Apotheken aufgetaucht, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung verschiedener Hersteller-Verbände. Sie selbst und die Zulieferer prüften jede eingehende Charge eines Medikamentes chemisch auf Echtheit und Reinheit. «Für kaum ein anderes Produkt gibt es so strenge Vorgaben bezüglich der Qualitätssicherung und der Vertriebswege», so der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Wer sein Medikament in einer Offizin oder zertifizierten Versandapotheke kaufe, bekomme ein echtes und sicheres Produkt.

 

Außerdem werde mit der Initiative Securpharm bald alles noch sicherer, so die Hersteller. 2011 hatte die Europäische Union bestimmt, dass Medikamente künftig fälschungssicher verpackt und gehandelt werden müssen. Bis Februar 2019 haben die Mitgliedsstaaten noch Zeit, geeignete Voraussetzungen zu schaffen. In Deutschland hat die Organisation Securpharm – ein gemeinsames Projekt von Pharmaindustrie, Apothekern und Großhändlern – die entsprechende Technik entwickelt. Sie sieht unter anderem einen Erstöffnungsschutz an jeder Packung vor. Außerdem sollen Packungen eine individuelle Seriennummer tragen. Ein Warnsystem springt an, sobald dieselbe Nummer ein zweites Mal verkauft wird oder unbekannt ist. (ap)

 

18.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Gina Sanders