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Hypertoniker: Vorsicht bei OTC-Schmerzmitteln

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Wenn trotz antihypertensiver Therapie Bluthochdruck-Patienten die Zielwerte nicht erreichen, kann dies auch an einer blutdrucksteigernden Komedikation liegen. Darauf machte Dr. Eric Martin (Foto) von der Hubertus-Apotheke in Marktheidenfeld auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Meran aufmerksam. Ungünstig wirken sich zum Beispiel Antidepressiva, Hormone wie Corticosteroide oder weibliche Hormone, Immunsuppressiva und Ginseng aus.

 

Besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die nicht steroidalen Schmerzmittel (NSAR), so Martin. Diese bewirken eine Wasser- und Natriumretention und schwächen die Wirkung der Antihypertonika ab, zudem schränken sie die Nierenfunktion ein. Gefährlich wird dies vor allem bei älteren Patienten, bei Nierenfunktionsstörung oder bei bestehendem Risiko für eine Exsikkose. Vor allem die Kombination von NSAR, RAS-Blockern und Diuretika ist kritisch zu sehen, da sie zu akutem Nierenversagen führen kann.

 

Bei Hypertonikern sollten Apotheker den Einsatz von NSAR in der Selbstmedikation drosseln, erklärte der Pharmazeut. Wenn ein Patient keine Nieren- oder Herzerkrankungen aufweist, ist eine kurzfristige Einnahme von Schmerzmitteln vertretbar. Eine langfristige Einnahme ist bei chronischen Schmerzen ohnehin nicht eine geeignete Therapie. Liegen aber Erkrankungen vor, sollten Schmerzmittel nicht ohne Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Für ASS als Prophylaxe in einer Dosierung von 100 mg gilt dies allerdings nicht. Insgesamt könne Paracetamol als Alternative zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden.

 

Bei der Hypertonietherapie ist in Deutschland noch Luft nach oben, machte der Pharmazeut klar. Ein Drittel der Hypertoniker weiß nichts von seiner Erkrankung, ein Drittel der diagnostizierten Hypertoniker erreicht den Zielwert nicht und nur ein Drittel ist ausreichend therapiert. (ch)

 

22.05.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller