Pharmazeutische Zeitung online
AMK

Welttag des Hörens: Hörschäden bei Jugendlichen nehmen zu

Datenschutz bei der PZ

Die Hörschäden in Deutschland nehmen nach Angaben der Barmer deutlich zu, gerade auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. «Zusätzlich zu dem ganzen städtischen Lärm wie Verkehr und Baustellen kommt der Lärm, den wir uns durch die digitale Welt zuführen», sagte Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Krankenkasse, der Nachrichtenagentur dpa. «Viele junge Leute haben ihre Smartphone-Kopfhörer im Ohr und hören laute Musik. Hier hat die digitale Welt auch ihre Risiken.» Denn Hörschäden seien irreparabel.

 

Gerade junge Menschen seien kaum in der Lage, einen Hörschaden zu erkennen und ihn dann auch entsprechend anzugehen. Die Zahl der jungen Barmer-Versicherten zwischen 15 und 35 Jahren, die eine Hörhilfenversorgung benötigen, habe von 814 im Jahr 2010 auf 1065 in 2015 um fast ein Drittel zugenommen, erläuterte Rafii. Hier sei eine deutliche Tendenz zu erkennen. Daher stelle sich die Frage: «Wie schaffen wir es, gerade die jungen Leute in dieser digitalen Welt auf das Thema Prävention aufmerksam zu machen. Junge Leute fühlen sich ja unverwundbar.»

 

Zum heutigen Welttag des Hörens startet die Krankenkasse zusammen mit dem Startup Mimi Hearing Technologies für drei Monate eine Initiative zur Früherkennung und Prävention von Hörschäden – und hat dabei vor allem junge Menschen im Blick. Mit speziellen Apps könnten Nutzer einen Hörtest machen und so die Musik aus dem Smartphone an das eigene Gehör anpassen. So könnten mit geringerer Lautstärke mehr Details gehört werden. Die Kasse wolle so jugendlichen Lifestyle und Prävention zusammenbringen. Aber sie habe nicht vor, den Hörakustiker oder den Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu ersetzen, sagte Rafii. Mit den Erfahrungen der ersten drei Monate wolle man dann ein Gesamtkonzept entwickeln.

 

Unterdessen teilte der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) mit, dass Hörminderung heutzutage nur noch von wenigen Menschen als gesundheitlicher Makel (12 Prozent) oder Alterserscheinung (9 Prozent) wahrgenommen werde. Zudem nähmen 70 Prozent der Bundesbürger Menschen mit Hörgeräte genauso wahr wie Menschen ohne Hörgeräte. Das habe eine vom Bundesverband zum Welttag des Hörens in Auftrag gegebene Umfrage ergeben, heißt es in der Mitteilung. Dem offenen Umgang Schwerhöriger mit der eigenen Hörminderung zollt demnach die Hälfte der Befragten Respekt. 41 Prozent gaben sogar an, dass sich Menschen, die ein Hörgerät tragen, ihrer Meinung nach vorbildlich verhielten, weil sie auf ihr soziales Umfeld achteten.

 

Obwohl das Ohr ein sehr wichtiges Sinnesorgan sei, werde Hören vernachlässigt, sagt Manfred Groß von der Charité in Berlin. «Während für die meisten Menschen ein Sehtest Routine ist, kümmert sich niemand um sein Gehör.» Je früher man einen Hörverlust feststelle, umso besser seien die Chancen, weiteren Schäden vorbeugen zu können. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des BVHI, ergänzt: «Wer bereits eine leichte Hörminderung mit Hörgeräten ausgleicht, tut nicht nur seinen Gesprächspartnern etwas Gutes.» Er erhöhe zudem die eigene Lebensqualität und beuge Folgeerkrankungen wie Demenzbeschleunigung, Sturzunfällen und Depressionen vor. (cd)

 

03.03.2017 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/iko