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Simvastatin plus Amiodaron: AkdÄ warnt vor Interaktion

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Bei gleichzeitiger Anwendung von Simvastatin und Amiodaron kann es zu einem Zerfall quergestreifter Muskelfasern, einer Rhabdomyolyse, kommen. Diese klinisch relevante Interaktion ist zwar schon seit Längerem bekannt, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hält es jedoch im Hinblick auf einen aktuellen Fallbericht für angebracht, an die Wechselwirkung zu erinnern. Sie werde „im Alltag möglicherweise nicht immer berücksichtigt“.

Im konkreten Fall ging es um eine 71-jährige Patientin mit Hyperlipidämie, arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit und Vorhofflimmern, die bereits seit Jahren mit  Ramipril, Metoprolol und Simvastatin (40 mg/d) behandelt wird. Nach etwa einem Monat, in dem sie sie zusätzlich Amiodaron 200 mg/d und Rivaroxaban 20 mg/d erhielt, entwickelte die Patientin eine Rhabdomyolyse. Die Kreatinkinase (CK) stieg auf einen Wert von über 30.000 U/l (oberer Normwert: 2000 U/l) und der Myoglobin-Wert auf über 12.000 µg/l. Es folgten zehn Tage Krankenhaus. Nach Therapieabbruch sanken die CK- und Myoglobin-Werte wieder.

Das Antiarrhythmikum Amiodaron hemmt unter anderem das Enzym CYP3A4 in der Leber, über das Simvastatin sowie Atorvastatin und Lovastatin abgebaut werden. Eine gemeinsame Gabe ist laut Fachinformation möglich, jedoch soll die Simvastatin-Dosis dann 20 mg pro Tag nicht überschreiten. Alternativ ist die Gabe von Fluvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Pitavastatin möglich und laut AkdÄ vorzuziehen.

Typisches Anzeichen einer Rhabdomyolyse sind Muskelschmerzen. Das sollte ein Patient unter einer Statin-Therapie wissen und gegebenenfalls sofort seinem Arzt mitteilen. Darauf kann dieser je nach CK-Wert die Statin-Dosis reduzieren oder die Therapie abbrechen. (dh)

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20.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/roger ashford