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Prämie: 1 Milliarde Euro für neues Antibiotikum

Pharmahersteller sollen für den Markteintritt eines neuen, innovativen Antibiotikums eine einmalige Prämie von 1 Milliarde Euro erhalten. Das schlägt ein Gutachten mit dem Titel «Breaking through the Wall» vor, das die Boston Consulting Group im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) erstellt hat. Ein gleichnamiges Gutachten hatte es bereits 2015 gegeben, dieses ist die weiterentwickelte Version. Das BMG hatte es anfertigen lassen, um herauszufinden, wie die Forschung an Antibiotika attraktiver werden kann.

 

Weltweit sterben immer mehr Menschen aufgrund von Infektionen mit Erregern, die gegen alle existierenden Antibiotika resistent sind. Gleichzeitig kommen weniger neue Antibiotika auf den Markt, da deren Entwicklung für Pharmahersteller unattraktiv ist. «Um Schwung in die Entwicklung neuer Antibiotika zu bringen, brauchen wir eine internationale Kraftanstrengung», sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

 

Laut Gutachten sollten Hersteller die 1 Milliarde Euro Markteintrittsprämie erhalten, wenn ihr neu entwickeltes Antibiotikum tatsächlich innovativ ist. Sie müssten dafür aber garantieren, dass ihr Präparat in ausreichender Menge und zu einem fairen Preis weltweit verfügbar ist und dass sie einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Mittel unterstützen, heißt es in dem Papier. Verstoßen sie dagegen, sollten sie nur einen Teil der Summe erhalten, die staffelweise ausgezahlt wird. 30 Prozent des operativen Gewinns mit dem Präparat sollen die Unternehmen laut Gutachten generell zurückzahlen: Dies soll sicherstellen, dass vor allem jene Antibiotika gefördert werden, die ansonsten mangels wirtschaftlichem Erfolg nie auf den Markt gekommen wären.

 

Neben der Markteintrittsprämie schlägt das Gutachten weitere Maßnahmen vor, um die Forschung an neuen Antibiotika attraktiver zu machen. Demnach sollten zwei internationale Fonds geschaffen werden, um Unternehmen und Institute bei der Entwicklung von Antibiotika finanziell unterstützen. Sie sollen pro Jahr jeweils 200 Millionen US-Dollar verteilen. Erst in der vergangenen Woche hatte der Herstellerverband Pro Generika Subventionen für die Antibiotikaforschung gefordert.

 

Das Gutachten empfiehlt außerdem, die Anforderungen an neue Antibiotika in sogenannten Target Product Profiles festzuschreiben, die dann weltweit als Maßstab gelten. So soll sichergestellt werden, dass wirklich an jenen Antibiotika geforscht wird, die Resistenzen brechen oder besonders gefährliche Krankheiten bekämpfen.

 

Kein Staat könne den Kampf gegen Resistenzen allein gewinnen, sagte Gröhe. Das Gutachten soll nun Grundlage für einen Bericht zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen werden, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere Organisationen gemeinsam erstellen und anschließend den G20-Staaten zur Verfügung stellen. (ap)

 

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21.02.2017 l PZ

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