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Penicillin-Allergie? Besser testen lassen

Nur einer von zehn Patienten mit mutmaßlicher Penicillin-Allergie verträgt diese wichtige Antibiotika-Klasse tatsächlich nicht. Das ergab eine Auswertung von US-Pharmazeuten und Allergologen der Universität Texas Southwestern in Dallas. Sie unterzogen die Versuchsteilnehmer mit Hinweisen auf eine Penicillin-Allergie in der Krankenakte einem Provokationstest – keine Reaktion bei neun von zehn Probanden, schreiben sie im «Journal of Allergy and Clinical Immunology».

 

Mögliche Erklärungen für das Studienergebnis: Zum einen können sich Allergien mit der Zeit auswachsen. Zum anderen kann nicht das Medikament, sondern die Infektion selbst die Hautreaktion ausgelöst haben. Möglich ist auch, dass es sich zwar um eine Hautreaktion auf das Medikament (Arzneimittelexanthem) handelt, jedoch ohne allergischen Mechanismus.

 

«Penicilline gehören zu den sichersten und günstigsten verfügbaren Antibiotika», sagte Professor Dr. Min Lee, Kinderärztin und Allergologin in einer Pressemitteilung der Universität. Patienten, die über eine Allergie berichten, erhielten jedoch oft teurere und nebenwirkungsstärkere Antibiotika. Als Alternativen kämen dann häufig Breitspektrum-Antibiotika zum Einsatz mit Folgen wie MRSA- oder Clostridien-Infektionen. Ein entsprechendes Verschreibungsverhalten könnte sich auch auf die Resistenzentwicklung auswirken.

 

Um einen unnötigen Verzicht auf Penicilline und den unnötigen Einsatz von Reserve-Antibiotika zu vermeiden, empfiehlt Lee Patienten mit vermuteter Penicillin-Allergie, sich testen zu lassen. Ein guter Zeitpunkt sei im jugendlichen Alter, wenn die Patienten aus der Pädiatrie in die reguläre Betreuung wechseln, so die Kinderärztin. (dh)

 

DOI: 10.1016/j.jaip.2016.09.045

 

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07.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Gerhard Seybert