Pharmazeutische Zeitung online

Doc Morris: Kunden sollen Postkarte an CDU schicken

Die Protestaktionen der Apotheken und ihrer Kunden gegen Boni auf Rezept scheinen offenbar so erfolgreich zu sein, dass auch die niederländische Versandapotheke Doc Morris es für ihre Zwecke jetzt auf diesem Weg versucht. Unter dem Motto «Wehren Sie sich!» bittet die Internetapotheke ihre Kunden, eine Postkarte als Protest gegen das geplante Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente an die CDU/CSU-Abgeordneten im Bundestag zu schicken. In einem entsprechenden Mailing fordert der Doc-Morris-Vorstandschef Olaf Heinrich seine Kunden dazu auf, ihre Adressen online in ein Formular einzutragen. Dadurch wird  automatisch und auf Kosten von Doc Morris eine Standard-Postkarte an den jeweiligen Bundestagsabgeordneten verschickt.

Denn Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) macht langsam Tempo bei der Umsetzung des Ende Oktober angekündigten Rx-Versandverbots. Nach weiteren kleinen Änderungen hat das BMG den Gesetzentwurf nun  den anderen beteiligten Ministerien zur Ressortabstimmung weitergeleitet. In der überarbeiteten Fassung heißt es nun: «Ein weiteres Zuwarten ist im Hinblick auf den weiter rückläufigen Trend der Apothekenzahlen nicht angezeigt.» Mit Unterstützung kann Gröhe bislang sowohl von den Linken als auch von  verschiedenen Landtagsfraktionen von SPD und Grünen rechnen.

So lag die Zahl der Apotheken in Deutschland zum Jahresende bei circa 20.023 Betriebsstätten und die Apothekendichte mit 24 Offizinen pro 100.000 Einwohner unter dem europäischen Durchschnitt. DocMorris  weist übrigens auf der begleitenden Kampagen-Homepage unter „Fakten“ darauf hin, dass es in Deutschland bereits Gegenden mit geringer Apothekendichte mit und empfiehlt den Versand als «sinnvolle Ergänzung». Dabei lässt das Unternehmen aber aus, das ausgerechnet der Rx-Versand mit Boni den Landapotheken mit ihrer verlässlichen Sofortversorgung stark zu schaffen macht und den Notstand erst selbst produziert. Der Europäische Gerichtshof erklärte in seinem Urteil vom 19. Oktober Doc Morris‘ Boni auf Rezept sogar deshalb zulässig, weil das Versandunternehmen nur so Wettbewerbsnachteile wie eine direkte Versorgung wettmachen könne. Ein Schelm, wer hier an «alternative Fakten» denkt. (dh)

Lesen Sie dazu auch
Ressortsabstimmung: Nächster Schritt für Rx-Versandverbot, Meldung vom 20.02.2017

 

Mehr zum Thema Rx-Versandverbot

 

20.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Sergey Nivens