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Antibiotika: Deutsche Hersteller wollen Subventionen

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Um Lieferengpässe bei Antibiotika zu verhindern, müssen deutsche Pharmahersteller bei der Produktion dieser Wirkstoffe finanziell unterstützt werden. Das hat der Branchenverband Pro Generika heute gefordert. Derzeit seien die Produzenten hierzulande zu stark von wenigen ausländischen Grundstofflieferanten abhängig. Gebe es dort Probleme in der Produktion, fehlten die lebenswichtigen Medikamente schnell in deutschen Apotheken.

 

In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Engpässen bei verschiedenen Antibiotika gekommen – im Dezember waren Piperacillin und Tazobactam nicht lieferbar, weil sich ausgerechnet in jener chinesischen Fabrik eine Explosion ereignet hatte, die einen Großteil der dafür weltweit verwendeten Grundstoffe herstellt. Derzeit fehlt Metronidazol in den Regalen – auch hier soll ein Produktionsausfall die Ursache sein.

 

Mehr als 80 Prozent der für die Antibiotikaproduktion notwenigen Ausgangssubstanzen würden derzeit außerhalb der EU hergestellt, klagt Pro Generika. Für bestimmte Grundstoffe gebe es überhaupt nur zwei Produzenten. Schuld sind laut Verband hohe Produktionskosten. Sie zwängen deutsche Hersteller, die Stoffe aus dem Ausland zu beziehen, oft aus China. Pro Generika schlägt deshalb vor, mit Subventionen und Steuererleichterungen einen Anreiz für deutsche Firmen zu schaffen, sämtliche für die Antibiotikaherstellung nötigen Stoffe in Deutschland herzustellen.

 

Ein weiterer Grund für Lieferengpässe sind Pro Generika zufolge die Rabattverträge der Krankenkassen. Mit diesen Verträgen verpflichten Kassen einen Pharmahersteller, alle ihre Versicherten mit einem bestimmten Wirkstoff zu versorgen. Viele Hersteller bieten das Arzneimittel möglichst günstig an, um den Zuschlag für einen solchen Vertrag zu bekommen. Dies führe einerseits dazu, dass Antibiotika hierzulande immer billiger werden, so Pro Generika. Andererseits stellten immer weniger Anbieter einzelne Mittel her.

 

Seit langem fordert der Verband deshalb, Krankenkassen sollten den Zuschlag für die Belieferung mit Antibiotika immer gleich an mehrere Hersteller vergeben müssen. Außerdem müssten deutsche Firmen bei der Vergabe bevorzugt werden. Am besten wäre es Pro Generika zufolge allerdings, Rabattverträge für Antibiotika ganz zu verbieten. Die Medikamente seien schließlich lebenswichtig.

 

Für seine Vorschläge zur Vermeidung von Lieferengpässen will Pro Generika nun in der Politik werben. Man hoffe auf das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz oder eine Art zweiten Pharmadialog, so Verbandschef Markus Leyck Dieken. (ap)  

 

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14.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Karin Jähne