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Thüringen: Nur wenige Apotheken nutzen Versandhandelslizenz

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Etwa jede vierte Apotheke in Thüringen darf derzeit nach Angaben des Sozialministeriums Medikamente per Versandhandel verschicken. 127 Apotheken haben dafür eine amtliche Erlaubnis, wie sie nach dem Apothekengesetz vorgeschrieben ist, sagte ein Sprecher. Tatsächlich nutze allerdings nur eine kleine Zahl der Erlaubnisinhaber in nennenswertem Umfang diesen Vertriebsweg für Arzneimittel. In Thüringen gibt es rund 550 Apotheken.

 

Der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten steht derzeit auf der Kippe. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will ihn verbieten. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hatte die deutsche Preisbindung für Medikamente auf Rezept im grenzüberschreitenden Versandhandel gekippt. Das Urteil erlaubt ausländischen Versandapotheken wie der niederländischen Kette DocMorris Bonuszahlungen an Patienten, um deren Zuzahlungen zu verringern.

 

Die deutschen Pharmazeuten befürchten Nachteile für die Apotheken vor Ort. «Wenn sich ausländische Versandapotheken die Rosinen rauspicken, droht das unsere jetzige Filialstruktur zu zerstören», sagte der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes, Stefan Fink, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei ein Problem vor allem für den ländlichen Raum, wo Beratung und Notdienst bislang durch die Apotheken vor Ort gewährleistet würden. Bereits jetzt machen Fink zufolge jährlich fünf bis zehn von ihnen dicht, weil sie für potenzielle Käufer nicht lukrativ genug seien. «Die Apothekenerträge sinken seit Jahren», so Fink, der den durchschnittlichen Jahresertrag einer Apotheke in Thüringen auf rund 120.000 Euro bezifferte.

 

Im September hatte der Bundesrat auf Antrag Bayerns für ein Verbot des Versandhandels mit vom Arzt verschriebenen Arzneimitteln votiert, auch die Thüringer Landesregierung war dafür. Es gibt aber auch Kritik an dem Gesetzesvorstoß. Wie etwa die Thüringer SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider und Steffen-Claudio Lemme verweisen auch einige Krankenkassen darauf, dass der Versandhandel gerade für Menschen in Regionen mit langen Wegen zur nächsten Apotheke sinnvoll sein könne. Dass bislang jedoch kaum eine Apotheke mit Versandhandelslizenz Medikamente verschickt, spricht wohl eher gegen einen akuten Bedarf.

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23.12.2016 l PZ/dpa

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