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Alkohol: Mediziner für Grammangabe zur Promilleberechnung

Der Rostocker Notfallmediziner Gernot Rücker hält eine Auszeichnung des Alkoholgehalts von Getränken in Gramm statt Prozent für sinnvoller. So könne ein Verbraucher den ungefähren Promillewert und die Fahrtauglichkeit leichter ermitteln, sagte der Oberarzt der Universitätsmedizin Rostock. Die Angabe in Volumenprozent sei dafür nicht geeignet. 

 

Viele Menschen gingen davon aus, dass sie nach zwei Bier oder auch zwei Gläsern Wein noch gut Autofahren können und fahrtüchtig sind. Ein Blick in die von Rücker empfohlene Gramm-Tabelle zeige jedoch, dass zwei Flaschen Bier à 0,5 Liter bei einem Zwei-Zentner-Mann zu mehr als 0,5 Promille führe, so Rücker. Zwei Gläser Rotwein mit zwölf Volumenprozent brächten eine Frau von 60 Kilogramm Körpergewicht auf einen Wert von rund 1 Promille – nahe der absoluten Fahruntüchtigkeit.

 

Mit der Grammangabe könne jeder Konsument seinen Alkoholspiegel einfach und genau ausrechnen – im Gegensatz zur Angabe von Volumenprozent, die keine schnelle Aussage zulässt. Die zu den Grammangaben dazugehörigen Tabellenwerte sind laut Rücker leicht einzuprägen und bleiben konstant. Zudem werde bei jedem Stoff in der Biologie oder bei Lebensmitteln die Wirkmenge, also die Grammzahl angegeben. «In der Kneipe sitzen und einen Dreisatz mit einer Unbekannten ausrechnen ist doch unlogisch», argumentiert der Mediziner.

 

«Ich habe viel Sympathie für alles, was dem Verbraucher einen maßvollen Umgang mit Alkohol leichter macht», sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler zu Rückers Forderung. Doch angesichts der Zahl von fast zehn Millionen Menschen, die mehr Alkohol trinken als ihrer Gesundheit guttut, zeigt sie sich eher skeptisch. Denn ob die Kennzeichnung wirklich einen Mehrwert bringe, hängt ihrer Meinung nach von weiteren Zusatzinformationen wie Geschlecht oder Körpergewicht auf der Verpackung ab.

 

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie verweist auf die Angaben, die die Hersteller auf die Etiketten drucken müssen. Alle anderen für den Endverbraucher interessanten Informationen seien auf der Webseite massvoll-geniessen.de zu finden. «Wir gehen davon aus, dass sich die Konsumenten auch Off-Label umfassend informieren», betont Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick.

 

12.12.2016 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Sergey Ryzhov