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Lieferengpässe: Apotheken sind nicht schuld

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Immer wieder sind Arzneimittel nicht lieferbar – und Apotheker müssen ihre Kunden wegschicken. Dirk Greshake, Geschäftsführer von AstraZeneca Deutschland, zufolge liegt die Verantwortung dafür aber nicht bei den Apotheken. Greshake vermutet die Ursache für Lieferengpässe eher beim Großhandel.

 

Im ARD-Politmagazin Kontraste sagte er gestern, dass AstraZeneca bis zu 70 Prozent mehr Tabletten an den Großhandel rausschicke als verbraucht würden. «Da kann etwas nicht stimmen. Die einzige Erklärung, die ich tatsächlich habe ist, dass ein Teil der Ware in den Export geht.» Dem TV-Bericht zufolge vermutet Greshake, dass Großhändler die Ware exportieren, die eigentlich für Apotheken in Deutschland bestimmt ist.

 

Die Gründe für Lieferengpässe seien vielschichtig, heißt es seitens der ABDA. Der Parallelhandel sei eines der Probleme. Grundsätzlich sei es aber «für Apotheken mit Großhandelserlaubnis legal, deutsche Arzneimittel auch ins Ausland zu verkaufen», so die Bundesvereinigung. Denn auf dem ausländischen Markt erzielten Medikamente oft deutlich höhere Preise.

 

Zuletzt hatte die AOK Baden-Württemberg gefordert, eine Meldepflicht für Arzneimittellagerbestände einzuführen, um mehr Transparenz in die Lieferketten zu bringen. Das sei beispielsweise in Form eines softwaregestützten, branchenübergreifenden Warenwirtschaftssystems für Arzneimittel möglich, so Christopher Hermann, Chef der AOK Baden-Württemberg. Eine solche Dokumentation solle bestenfalls bestellte sowie gelieferte Mengen von Medikamenten auf Hersteller-, Großhandels- und Apothekenebene umfassen. (je)

 

25.11.2016 l PZ

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