Pharmazeutische Zeitung online

ADHS: Kinder brauchen Behandlung

Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) brauchen unbedingt eine Behandlung. Diese Störung sei gut therapierbar, könne aber unbehandelt «zur Katastrophe werden», betonte Professor Dr. Luise Poustka von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien beim 39. Heidelberger Fortbildungskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. «Als Jugendpsychiater fürchten wir die Nichtbehandlung des ADHS.»

 

Die Psychiaterin wies auf die deutlich eingeschränkte Lebensqualität von ADHS-Patienten hin. Kinder hätten oft große Probleme und schlechte Leistungen in der Schule, Schwierigkeiten mit Freuden und sozialen Kontakten sowie gestörte Familienbeziehungen. Unfälle, Verlust des Führerscheins und ungewollte Schwangerschaften träten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ADHS häufiger auf als bei Gleichaltrigen. Suizidale Ideen, Drogenabusus, Kriminalität und Regelverletzungen, Scheidung und Trennung seien ebenfalls häufiger.

 

Energisch trat Poustka dem Vorwurf entgegen, dass ADHS zu häufig diagnostiziert wird. Die Prävalenz liegt bei 5,4 Prozent und ist bei Mädchen deutlich geringer als bei Jungen. «Es gibt keinen Hinweis auf Veränderungen in der Prävalenz in den letzten 30 Jahren, aber heute suchen mehr Menschen Hilfe als früher.»

 

Als Behandlungsbausteine nannte sie gute Beratung und Aufklärung, Elterntraining, Verhaltens- und Pharmakotherapie, psychosoziale Maßnahmen und schulische Interventionen. Eine medikamentöse Therapie werde meist begonnen bei starken hyperkinetischen Symptomen, Schulproblemen, hoher Familienbelastung und starkem Leidensdruck, sagte Poustka. Man unterscheidet Stimulanzien wie Methylphenidat, DL-Amphetaminsulfat und Lisdexamphetamin von Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin und α2-Agonisten wie Clonidin und Guanfacin. Etwa 70 Prozent der Patienten sprächen auf die Behandlung an. Bei Non-Respondern könne man auch Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien kombinieren. (bmg)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Lisdexamfetamin|Elvanse®|71|2013Atomoxetin|Strattera®|71|2005Guanfacin|Intuniv®|71|2016 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe  

 

Mehr zum Thema ADHS

 

22.11.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Tatyana Gladskih