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Aktionstag rückt Patientensicherheit in den Fokus

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Sollen im Medikationsprozess Fehler vermieden werden, geht das nur unter Mitwirkung aller daran beteiligten Professionen. Das Motto des diesjährigen internationalen Aktionstags für Patientensicherheit ist deshalb «Gemeinsam Medikationsfehler vermeiden». Der Thementag, den das deutsche Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) gemeinsam mit der österreichischen Plattform Patientensicherheit und der schweizerischen Stiftung für Patientensicherheit dieses Jahr zum zweiten Mal ausruft, findet am kommenden Samstag, den 17. September statt.

 

«Wir möchten den Blick für die Medikationssicherheit schärfen und die Diskussion darüber anregen, welche Schwierigkeiten es im Rahmen der medizinischen und pflegerischen Versorgung gibt, eine gute Medikationssicherheit zu gewährleisten», sagte die erste Vorsitzende des APS, Hedwig François-Kettner, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Wichtig sei vor allem, aus Fehlern oder Beinahe-Fehlern zu lernen. Dazu müsse ein Klima geschaffen werden, in dem auch unangenehme Meldungen zeitnah, sach- und lösungsorientiert behandelt werden. «Jeder muss über Fehler reden können.» Hier sei vor allem die Management-Ebene gefordert. Aber auch in den Ausbildungscurricula der Gesundheitsfachberufe müsse das Thema Patientensicherheit besser verankert werden. Nachholbedarf sah François-Kettner in diesem Punkt vor allem bei klassischen Berufen wie Arzt, Apotheker oder Pfleger.

 

Ein Beispiel für gelungene interprofessionelle Zusammenarbeit stellte Professor Dr. Petra Thürmann vom Helios-Klinikum in Wuppertal vor. Im Rahmen der sogenannten AMTS-Ampel-Studie wurden mehr als 1000 Bewohner von Altenheimen über zwölf Monate begleitet und die Auswirkungen gezielter Schulungs- und Interventionsmaßnahmen untersucht. So wurde etwa das Pflegepersonal darin geschult, Nebenwirkungen von Arzneimitteln als solche zu erkennen. Zusammen mit den heimversorgenden Apothekern bildeten die Pflegenden sogenannte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)-Teams. Erkannte ein Pfleger eine Arzneimittel-Nebenwirkung, meldete er dies dem Apotheker, der wiederum nach einer Überprüfung der Medikationsliste des Patienten gegebenenfalls den behandelnden Arzt informierte. Auf diese Weise konnte der Anteil an Patienten mit vermeidbaren Nebenwirkungen von 12 Prozent auf 6,9 Prozent nach sechs Monaten und 5,5 Prozent nach einem Jahr gesenkt werden. Die Ergebnisse sind noch nicht publiziert, sollen aber in Kürze auf der Website des Projekts veröffentlicht werden.

 

«Durch einige einfache und gar nicht so trickreiche Maßnahmen haben wir es geschafft, die Nebenwirkungsrate zu halbieren», fasste Thürmann zusammen. Entscheidend für diesen Erfolg war aus ihrer Sicht – passend zum Motto des Aktionstags –, dass die Beteiligten lernten, miteinander zu kommunizieren und die besonderen Fähigkeiten der jeweils anderen Professionen wertzuschätzen.

 

«Häufig sind es einfache Werkzeuge, die den Unterschied machen können», pflichtete ihr Professor Dr. Ulrich Jaehde von der Universität Bonn bei. Der Apotheker gehört der Arbeitsgruppe AMTS des APS an. Diese hat diverse Handlungsempfehlungen und Checklisten erarbeitet, die Beteiligte am Medikationsprozess unterstützen sollen. Dazu zählt etwa die Handlungsempfehlung zur AMTS im Krankenhaus, die Empfehlungen für Kliniken enthält, die Handlungsempfehlung zur oralen Applikation von Methotrexat, mit der Medikationsfehler bei der Anwendung des Medikaments in der Rheumatherapie vermieden werden sollen, und das Merkblatt «Tipps für Patienten zum häuslichen Umgang mit Arzneimitteln», das Ärzte und Apotheker ihren Patienten als generelle Information mitgeben können. Alle diese Unterlagen sind kostenlos auf der Website des APS abrufbar. Das Aktionsbündnis hat zudem eine Mappe mit Informationsmaterialien zum Tag der Patientensicherheit zusammengestellt, die laut Angaben der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bundesweit 1200 Apotheken über die ABDA bestellt haben. (am)

 

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www.amts-ampel.de (externer Link)

www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de (externer Link)

www.tag-der-patientensicherheit.de (externer Link)

 

15.09.2016 l PZ

Foto: Fotolia/SENTELLO