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Gefälschte Arzneimittel: Globale Pandemie

Arzneimittelfälschungen sind in Entwicklungsländern weit verbreitet. In Afrika soll ein Drittel der Malariamittel gefälscht sein. Medien sprechen von einer globalen Pandemie. «Trotz der rasanten Zunahme an wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema wissen wir nicht, wie groß das Problem tatsächlich ist», sagte Professor Dr. Lutz Heide beim Kurs «Pharmazie in der Entwicklungszusammenarbeit» an der Universität Tübingen. Die veröffentlichten Zahlen seien dramatisch, dennoch müsse man sie kritisch betrachten.

 

Experten unterscheiden Medikamente, die absichtlich betrügerisch gefälscht werden («falsified medicines»), von Arzneimitteln mit ungenügenden Qualitätsstandards, die durch unbeabsichtigte Fehler in der Produktion entstehen («substandard medicines»). Eine weitere Gruppe mangelhafter Arzneimittel geht auf schlechte Lagerung zurück («degraded medicines»).

 

Ob beabsichtigt oder nicht: Patienten erleiden oft großen Schaden. Während toxische Effekte eher selten sind, lässt die Wirksamkeit relativ häufig stark nach oder ist gar nicht vorhanden, was die Krankheit verlängern oder bis zum Tod führen kann. Weitere negative Folgen sind die Förderung von Resistenzbildung (bei unterdosierten Antibiotika) sowie die Verschwendung ohnehin rarer Mittel. Ebenso bedeutend ist laut Heide, dass Patienten und Gesundheitsmitarbeiter das Vertrauen in Therapierichtlinien und Medikamente verlieren, wenn diese nicht wirken. Während man der absichtlichen Fälschung mit besseren Gesetzen und strenger Überwachung begegnen kann, müssten in den anderen Fällen die Aus- und Fortbildung des herstellenden Personals sowie die Transport- und Lagerbedingungen verbessert werden, betonte der Apotheker. 

 

Heide plädierte für Analysenmethoden, mit denen die Arzneimittelqualität auch unter einfachen Bedingungen geprüft werden kann. Dies gelinge beispielsweise mit dem «MiniLab®» des German Pharma Health Fund (GPHF), das die qualitative und semiquantitative Analytik von etwa 80 aktiven Substanzen erlaubt. Dazu dienen visuelle Prüfungen, Zerfallstests in Wasser, chemische Farbreaktionen und vor allem die Dünnschichtchromatografie. Das robuste Testkit helfe, Fälschungen aufzudecken und somit die Qualität der Gesundheitsversorgung zu stärken, sagte Heide. «Dies trägt auch dazu bei, das Vertrauen der Menschen in die Gesundheitssysteme zu stärken.» (bmg)

 

08.08.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Tobif82