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Rheumatoide Arthritis: Darmbakterien mischen mit

Die Mikrobiota des Darms ist offenbar an der Entstehung der rheumatoiden Arthritis (RA) beteiligt. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass bestimmte Veränderungen der Darmflora RA auslösen, vorhersagen und verhindern können. Die Arbeiten legte die Arbeitsgruppe von Dr. Veena Taneja vor, Immunologin an der US-amerikanischen Mayo Clinic.

 

In «Genome Medicine» zeigten Forscher um Erstautor Jun Chen, dass bei RA-Patienten bestimmte Bakterien die Mikrobiota dominieren, die bei Gesunden nur selten vorkommen. Den Ausgangspunkt bildete die Analyse der Darmmikrobiota von 40 RA-Patienten und 32 Kontrollpersonen, knapp die Hälfte davon nicht erkrankte enge Verwandte der Patienten. Die Wissenschaftler stellten fest, dass insbesondere drei Bakteriengattungen die Rheumatiker von den Kontrollen unterschieden: Collinsella, Eggerthella und Faecalibacterium. Ein Überfluss an Collinsella korrelierte stark unter anderem mit einem Anstieg des proinflammatorischen Zytokins Interleukin-17A. In einem humanisierten Mausmodell konnte die Gruppe anschließend zeigen, dass Collinsella den Schweregrad der Erkrankung erhöht. Möglicherweise könnten diese Erkenntnisse die Basis bilden, um künftig anhand der Darmmikrobiota und der metabolischen Signatur eines Menschen vorherzusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit er eine RA entwickeln und welchen Verlauf die Erkrankung nehmen wird, hofft Taneja.

 

Denkbar ist, dass sich die Krankheitsentstehung dann durch gezielte Beeinflussung der Darmmikrobiota verhindern ließe. Einen Kandidaten für ein solches Präventionsbakterium stellen Forscher um Erstautor Dr. Eric Marietta in einem weiteren Artikel in «Arthritis and Rheumatology» vor: Prevotella histicola. Das Bakterium kommt natürlicherweise im menschlichen Darm vor und hat bei enteraler Gabe systemische Immuneffekte. Die Wissenschaftler überprüften die RA-präventive Wirkung von P. histicola mit Mäusen, bei denen sich eine Arthritis experimentell gezielt auslösen lässt. Tiere, die entweder prophylaktisch oder therapeutisch mit P. histicola gefüttert wurden, erkrankten signifikant seltener und zeigten mildere Symptome. Zudem ging die Behandlung im Vergleich zu herkömmlichen Therapien mit deutlich weniger Nebenwirkungen einher. (am)

 

DOI: 10.1186/s13073-016-0299-7 (Studie in «Genome Medicine»)

DOI: 10.1002/art.39785 (Studie in «Arthritis and Rheumatology»)

 

12.07.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Gunnar Assmy