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Der Markt driftet auseinander

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Im Jahr 2015 stieg der Gesamtumsatz in deutschen Apotheken im Durchschnitt um 4,6 Prozent, das Betriebsergebnis um 2,7 Prozent. Dabei gab es gleichzeitig Gewinner und Verlierer der Entwicklung, machte Dr. Frank Diener, Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover, auf dem PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca deutlich. Der Markt entwickle sich seit einiger Zeit nicht mehr homogen. Er drifte auseinander: So hatte im vergangenen Jahr etwa ein Viertel der Betriebe ein Minus bei Umsatz und Betriebsergebnis zu verzeichnen, während rund drei Viertel Umsatz und Ergebnis steigern konnten. Für das Jahr 2016 geht die Treuhand Hannover von einem Rückgang des Betriebsergebnisses um 3 Prozent aus. „Das leichte Plus aus 2015 wird vermutlich dieses Jahr wieder verloren gehen“, sagte Diener.

 

Ein wichtiges Thema für die Entwicklung des Marktes sind hochpreisige Arzneimittel wie Sovaldi. Deren Anteil an den GKV-Ausgaben sei in den vergangenen Jahren dramatisch gewachsen, machte Diener deutlich. Während 2003 die Hochpreiser noch 3 Prozent der GKV-Ausgaben ausmachten, lag ihr Anteil zehn Jahre später schon bei 26 Prozent, in 2015 sogar schon bei 35 Prozent. Das hat auf die Apotheken verschiedene Auswirkungen: Zum einen wächst der Umsatz in Apotheken, aber nicht der Rohertrag. Zum anderen bringen Hochpreiser verschiedene Risiken mit sich. Retaxe und Retouren können hier besonders große Probleme bereiten. Apothekeninhaber sollten mit ihren Großhändlern abklären, ob Hochpreiser aus dem Retourvolumen heraus genommen werden.

 

Hochpreiser lohnen sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht, dabei sollten Apotheker die Prozesse bei der Belieferung entsprechender Rezepte definiert haben, riet Diener. Ganz wichtig sei, dass diese hochpreisigen Präparate erst bestellt werden, wenn das Rezept vorliegt. Diese Präparate sollten sich Apotheker nicht auf Lager legen. Auch die Bezahlprozesse sollten für diese Arzneimittelgruppe geklärt sein, eventuell muss hierfür das Kontokorrent mit der Bank besprochen werden.

 

Eine Folge des wachsenden Hochpreiser-Anteils ist auch der Anstieg des durchschnittlichen Apothekeneinkaufspreis. Da dies die Großhandelsmarge drückt, gehen die Großhändler dazu über, einen Handelsspannenausgleich zu erheben, der unterschiedliche Namen haben kann, machte Diener deutlich. Für die Verhandlungen mit seinen Großhändlern sollte jeder Inhaber seinen durchschnittlichen Apothekeneinkaufspreis kennen, riet der Referent. Auch das Handelsspannenausgleich-Modell, das die einzelnen Großhändler anwenden, sollten sich Inhaber genauer ansehen. Denn dieses kann die Einkaufskonditionen deutlich verschlechtern. (ch)

   

08.04.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller