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PML-Risiko unter Natalizumab: Ab in die Röhre!

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Um eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), eine gefürchtete Nebenwirkung des Wirkstoffs Natalizumab (Tysabri®) gegen Multiple Sklerose, früher zu erkennen und dann zu behandeln, sollten Ärzte bei Patienten mit einem höheren PML-Risiko regelmäßig eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchführen lassen. Das ist das Fazit des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelbehörde nach einer Untersuchung. Die Experten empfehlen, dass Natalizumab-Patienten mit einem höheren Risiko alle drei bis sechs Monate per MRT untersucht werden sollten. Der Grund: Je früher die durch das JC-Virus verursachte Erkrankung diagnostiziert wird, desto schneller kann sie behandelt werden und desto eher können Gehirnschäden vermieden werden.

 

Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer PML gelten die Anwesenheit von Antikörpern gegen das JC-Virus, eine mehr als zwei Jahre andauernde Natalizumab-Behandlung und die Gabe von Immunsuppressiva vor Start der Tysabri-Behandlung. Dem Ausschuss zufolge haben Patienten, bei denen alle drei Faktoren gleichzeitig vorliegen, ein erhöhtes Risiko und sollten dementsprechend alle drei bis sechs Monate in die Röhre geschickt werden. Gleiches gilt, wenn vor Therapiestart mit Natalizumab zwar kein Immunsuppressivum gegeben wurde, die Patienten Tysabri aber mehr als zwei Jahre lang erhalten haben und zusätzlich bei ihnen ein hoher Antikörper-Index nachgewiesen wurde. Grundsätzlich empfiehlt das Gremium die Natalizumab-Behandlung bei Patienten mit einem erhöhten PML-Risiko nur dann fortzuführen, wenn der Nutzen des Wirkstoffs seine Risiken überwiegt. (ss)

 

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Wirkstoffprofil Natalizumab|Tysabri®|51|2006 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

12.02.2016 l PZ

Foto: Fotolia/digitalefotografien