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Frankreich: Ministerin sieht Fehler bei Medikamententest

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Nach dem Zwischenfall mit tödlichem Ausgang bei einem Medikamententest in Frankreich hat Gesundheitsministerin Marisol Touraine «große Versäumnisse» bei dem durchführenden Labor ausgemacht. Eine vorläufige Untersuchung durch die staatliche Kontrollbehörde Igas habe drei Fehler ergeben, sagte Touraine am Donnerstag in Paris.

 

An den Folgen des Tests an gesunden Menschen im nordwestfranzösischen Rennes war Mitte Januar ein Teilnehmer gestorben, fünf weitere Patienten mussten in einer Klinik behandelt werden. Der Zustand der fünf hospitalisierten Patienten, die mittlerweile alle nach Hause entlassen wurden, verbessere sich weiter, so die Ministerin. Sie werden Ende Februar an der Universitätsklinik von Rennes noch einmal medizinisch und neurologisch untersucht.

 

Die medizinischen Ursachen des Zwischenfalls sind laut Touraine noch nicht geklärt. Das Unternehmen Biotrial hatte den Wirkstoff für ein potenzielles Schmerzmittel im Auftrag des portugiesischen Herstellers Bial getestet. Nach Angaben von Touraine hat das Labor nicht ausreichend über einen ersten erkrankten Probanden berichtet. Am nächsten Tag seien die Tests mit anderen Freiwilligen fortgesetzt worden. Zudem seien diese Probanden nicht über den Vorfall am Vortag informiert worden. Sie hätten somit keine Möglichkeit gehabt, ihre Teilnahme an der Studie zu überdenken. Außerdem bemängelt die Untersuchung laut Touraine, die Medikamentenaufsicht ANSM sei zu spät informiert worden.

 

Von den insgesamt 90 Personen, die an der Studie teilgenommen hatten, sind zwischenzeitlich 75 medizinisch untersucht worden; bei neun Personen sind die Tests noch nicht abgeschlossen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt, so die Ministerin, wurden bei keinem weiteren Testteilnehmer klinische und radiologische Auffälligkeiten festgestellt, wie sie bei den im Krankenhaus behandelten Probanden aufgetreten waren. Einen abschließenden Bericht erwartet Touraine für Ende März. (gm)

 

05.02.2016 l PZ/dpa

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