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Online-Praxen: Versender wollen Rezepte nicht prüfen

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Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) kritisiert die vom Bundesministerium für Gesundheit geplante Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG). Der Entwurf des Vierten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften (AMG-Novelle) sieht vor, dass Apotheker Arzneimittel in Zukunft nur noch abgeben dürfen, wenn «die Verschreibung nach einem persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt ausgestellt wurde». Der Arzt müsse sich stets vom Zustand des Patienten überzeugt haben. Behandlungen über das Telefon oder Internet erhöhten das Risiko für Fehldiagnosen, heißt es in dem Gesetzentwurf.

 

Aus der Sicht des BVDVA werde damit ein guter Ansatz des E-Health-Gesetzes im Keim erstickt. «Telemedizinische Anwendungen sind die Kernelemente einer vernünftigen Fortentwicklung des digitalisierten Gesundheitswesens, in deren logischer Folge auch das elektronische Rezept liegt», schreibt der Verband in einer Stellungnahme.

 

Zwar befürwortet der Verband das Vorhaben, einen persönlichen Erstkontakt zwischen Arzt und Patient zwingend vorzuschreiben. «Der weitere Behandlungspfad sollte jedoch telemedizinisch erfolgen können, sofern kein Arztwechsel vorgenommen wird.» Die Regierung dürfe gewollte telemedizinische Anwendungen, deren erste Ansätze im E-Health-Gesetz formuliert sind, nicht gleich wieder durch ein «undifferenziertes Fernbehandlungsverbot» konterkarieren.

 

Eine Prüfpflicht für Apotheker, ob tatsächlich ein physischer Kontakt stattgefunden hat, lehnt der BVDVA ab. Dafür müsse «der Maßstab der Erkennbarkeit für den Apotheker deutlich verbessert und konkretisiert werden». Die Überprüfung sei jedoch in keinem Fall primäre Aufgabe des Apothekers. (cm)

 

14.01.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Artmann-Witte