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Interaktionen: Pumpen spielen wichtige Rolle

Die meisten Interaktionen zwischen Wirkstoffen beruhen auf Beeinflussung der Stoffwechselenzyme in der Leber, vor allem der Cytochrom-P450-Enzyme. Die Breite an Wechselwirkungen, die hier durch Induktion und Inhibition der Enzyme entstehen können, ist groß, sagte Professor Dr. Hans-Peter Lipp (Foto) von der Universitäts-Apotheke Tübingen. «Doch das ist nur die halbe Wahrheit.» Hinzu kämen eine große Zahl an Influx- und Efflux-Pumpen, die die Aufnahme von Arzneistoffen in die Leberzelle und deren Exkretion bewirken. Gerade die Influx- und Effluxpumpen seien sehr wirksam und sorgten dafür, dass potenziell gefährliche Fremdstoffe sofort eliminiert werden.

 

Eine Hemmung dieser Pumpen kann daher gefährliche Auswirkungen haben. Das erklärte Lipp am Beispiel des Wirkstoffs Dronedaron. Das Antiarrhythmikum inhibiert CYP-3A4 und ist ein potenter Inhibitor von der PGP-Pumpe. Wird diese Substanz zusammen mit einem Wirkstoff gegeben, der mithilfe der PGP-Pumpe eliminiert hat, kann es zu fatalen Überdosierungen kommen. Lipp berichtet von einem Fall, in dem Dronedaron zusammen mit dem Zytostatikum Docetaxel angewandt wurde, das in der Folge nicht ausreichend eliminiert werden konnte. Eine Dosisanpassung wurde nicht vorgenommen. Die resultierende Überdosierung war in diesem Fall tödlich.

 

Während das Cytochrom-P450-System gut erforscht ist, sind die Erkenntnisse zu der Vielzahl an transmembranären Transportproteinen noch ausbaufähig. «Das zunehmende Verständnis, wie diese Influx- und Effluxpumpen reguliert werden, welche Substratspezifität sie zeigen und wie sie gehemmt oder induziert werden, wird in den nächsten Jahren dazu beitragen, das Ausmaß an Wechselwirkungen besser zu verstehen», sagte der Pharmazeut. (ch)

 

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Wirkstoffprofil Dronedaron (Multaq® / 2010) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

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21.01.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller