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Chronische Pankreatitis: Eine tickende Zeitbombe

«Die Bauchspeicheldrüse ist eine Zeitbombe voller Verdauungsenzyme und die müssen gehemmt werden, damit sich das Organ nicht selbst verdaut.» Professor Dr. Joachim Mössner (Foto) von der Universität Leipzig informierte beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming über verschiedene Faktoren, die dazu führen, dass diese Zeitbombe nicht entschärft werden kann – mit der Folge einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Dazu gehören genetische Faktoren, aber auch der Lebenswandel, insbesondere ein hoher Alkoholkonsum und Rauchen. «Bei 80 Prozent der Patienten mit chronischer Pankreatitis liegt ein Alkoholabusus vor und von diesen Patienten rauchen auch nahezu alle», sagte Mössner.

 

In der Folge büßt das Organ nach und nach seine Funktion immer mehr ein. Da die Bauchspeicheldrüse Syntheseort vieler Verdauungsenzyme ist, müssen diese ersetzt werden, wenn der Patient sie selbst nicht mehr in ausreichendem Maß produziert. Das empfindlichste Enzym ist dabei die zur Fettverdauung benötigte Lipase, wie Mössner informierte. Sie ist säureempfindlich, wird also bei pH-Werten unter 4 zerstört. Wird sie in zu großen Kapseln oder Tabletten verabreicht, bleiben diese im Magen liegen, «während der Schweinebraten unverdaut bereits den Dünndarm passiert hat», so der Gastroenterologe. Magensaftresistente Darreichungsformen, die das Enzym in Mikrotabletten oder -pellets enthalten und diese im Duodenum rasch freisetzen, sind daher erforderlich. In Deutschland sind fünf Präparate zur Pankreasenzym-Substitution verfügbar: Kreon®, Pangrol®, Panzytrat®, Ozym® und Pankreatin-ratiopharm®, von denen das erste mit Abstand am häufigsten verordnet wird. (am)

 

21.01.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller