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Cannabis als Medizin: Ministerium legt Gesetzentwurf vor

Chronisch kranke Patienten sollen künftig einfacher Zugang zu medizinischem Cannabis erhalten. In bestimmten Fällen sollen dann auch die Krankenkassen die Kosten für eine entsprechende Therapie übernehmen. So steht es in einem Gesetzentwurf aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), der der Pharmazeutischen Zeitung vorliegt.

 

Heute können Patienten nur sehr begrenzt Cannabis zu therapeutischen Zwecken beziehen. Ärzte können hierzulande das Fertigarzneimittel Sativex® (Cannabis-Dickextrakt) auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben, ebenso die Präparate Marinol® (Dronabinol) und Cesamet® (Nabilon), die Apotheken aus den USA und Kanada importieren müssen. Dronabinol gibt es zudem als Rezeptursubstanz. Der Wirkstoff kann allerdings wie Nabilon nur im Rahmen eines sogenannten individuellen Heilversuchs zum Einsatz kommen. Die Kosten tragen die Versicherten dabei meist selbst.

 

In Ausnahmefällen können Patienten zudem Medizinalhanf aus der Apotheke erhalten. Dafür benötigen sie allerdings eine entsprechende Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Behandlung erfolgt dann im Rahmen einer ärztlich begleiteten Selbsttherapie. Meist inhalieren Patienten den Cannabisextrakt, einige rauchen aber auch die Blüten oder brühen sie zu einem Tee auf.

 

Nach Angaben des BMG kommt Cannabis vor allem in der Behandlung von Schmerzpatienten immer häufiger zum Einsatz. Im Oktober 2015 hätten bereits 527 Personen eine entsprechende Erlaubnis des BfArM besessen. Die soll nun in Zukunft nicht mehr nötig sein. Nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) können Ärzte bald regulär Cannabisblüten und -extrakt auf einem BtM-Rezept verschreiben, wenn sie eine solche Therapie für erforderlich halten. Die Patienten können die Verordnung dann in der Apotheke einlösen und erhalten die Droge dort in kontrolliert pharmazeutischer Qualität.

 

In «eng begrenzten Ausnahmefällen» sollen künftig zudem die Krankenkassen die Kosten für eine Therapie mit Cannabis übernehmen. Dem Gesetzentwurf zufolge gilt das für Versicherte mit einer schweren chronischen Krankheit, sofern für die Behandlung keine allgemein anerkannte und dem medizinischen Standard entsprechende Alternative zur Verfügung steht. Darüber hinaus muss eine «nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome» bestehen. Der Patient muss sich zudem verpflichten, an einem Forschungsvorhaben zum Einsatz entsprechender Arzneimittel teilzunehmen, das bis Ende 2018 laufen soll. Die Ergebnisse dieses Projekts soll schließlich der Gemeinsame Bundesausschuss auswerten und bis Mitte 2019 endgültig festlegen, unter welchen Voraussetzungen die Kassen für die Kosten einer Cannabis-Therapie ab August 2019 aufkommen.

 

Mit dem Gesetzentwurf will die Koalition darüber hinaus in Deutschland den kontrollierten Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken ermöglichen. Das BfArM soll dafür die Aufgaben einer sogenannten Cannabisagentur übernehmen, an die alle Anbauer die gesamte Ernte abliefern müssen. Den voraussichtlichen Bedarf an Medizinalhanf soll das Institut vorab festlegen und den Auftrag zum Anbau im Rahmen einer Ausschreibung an Produzenten mit einer entsprechenden Genehmigung vergeben. Nach der Ernte soll das BfArM die Pflanzen aufkaufen und anschließend insbesondere an Apotheken, Arzneimittelhersteller oder Großhändler vertreiben. Den Eigenanbau von Cannabis durch Patienten lehnt das BMG hingegen strikt ab. Das komme «aus gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht nicht in Betracht», heißt es. (sch)

 

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08.01.2016 l PZ

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