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Schweiz: Höhere Arzneimittelausgaben durch Dispensierrecht

Ärzte mit Dispensierrecht verursachen in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz im Schnitt deutlich höhere Arzneimittelkosten als Ärzte, die nicht zur Abgabe von Medikamenten berechtigt sind. Das stellte eine Forschergruppe des volkswirtschaftlichen Instituts der Universität Bern fest.

 

Das Team um Daniel Burkhard analysierte das Verschreibungsverhalten von rund 3900 Hausärzten und 3500 Spezialisten zwischen 2008 und 2012. Dazu nutzte es die nationale Datenbank der Schweizer Krankenversicherer. Insgesamt flossen gut 29.000 Beobachtungen in die Auswertung ein. Die Wissenschaftler verglichen die von der Krankenversicherung erstatteten Beträge auf Grundlage von Rechnungen der dispensierenden Ärzte mit den Kosten, die bei der Arzneimittelabgabe in den Apotheken anfielen.

 

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die jährlichen Arzneimittelausgaben pro Patient im betrachteten Zeitraum um umgerechnet durchschnittlich 46 Euro (25 Prozent) bei Hausärzten und um 18 Euro (15 Prozent) bei Fachärzten mit Dispensierrecht höher lagen als bei ihren Kollegen. Dabei überwog der sogenannte Mengeneffekt den Werteffekt: Zwar gaben die Mediziner mehr Medikamente ab, diese waren jedoch nicht unbedingt teurer als jene, die die Patienten in den Apotheken erhielten. (cm)

 

15.12.2015 l PZ

Foto:Fotolia/Gina Sanders