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Brustkrebs: Nicht immer ist Chemotherapie nötig

Nicht alle Frauen mit einem frühen, also lokal begrenzten hormonsensiblen Brustkrebs brauchen postoperativ eine Chemotherapie. «Genexpressionstests helfen, sowohl sehr aggressive Tumoren zu erkennen als auch Frauen, denen wir eine Chemotherapie ersparen können», sagte Professor Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München, bei einem von der Genomic Health GmbH unterstützten Pressegespräch. Ein großes Problem sei die Überbehandlung, denn die histologische Gewebe-Untersuchung zeige nicht an, welche Frau von einer Chemotherapie profitiert. Hier hätten Genexpressionstests einen «Quantensprung» gebracht.

 

In Deutschland sind laut Harbeck vier Tests auf dem Markt. Die besten, auch prospektiven Daten gebe es für Oncotype DX® (Genomic Health). Große Studien hätten gezeigt, dass man bei Frauen mit einem niedrigen Text-Score auf eine Chemotherapie verzichten kann, ohne ihnen zu schaden. Harbeck nannte unter anderem die TailorX-Studie mit mehr als 10.200 Frauen. Knapp 16 Prozent von ihnen hatten einen niedrigen Wert (unter 10) und erhielten nur eine endokrine, aber keine Chemotherapie. Nach fünf Jahren hätten 99 Prozent keinen Rückfall erlitten, berichtete die Ärztin. Das Gesamtüberleben lag bei 98 Prozent.

 

Der genomische Oncotype-Test ist nur für Patientinnen geeignet, die an einem frühen, hormonrezeptorpositiven, aber HER2-negativen Brustkrebs erkrankt sind, betonte Harbeck. Er werde hauptsächlich nach der Operation eingesetzt, um die weitere Therapieentscheidung zu erleichtern. (bmg)

 

DOI: 10.1056/NEJMoa1510764

 

05.11.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Eskymaks