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Pilzvergiftungen: Flüchtlinge besonders gefährdet

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Nach zahlreichen Fällen von schwerer Pilzvergiftung warnt die Berliner Charité vor dem Verzehr des hochgiftigen Knollenblätterpilzes. Besonders Flüchtlinge aus Syrien liefen Gefahr, versehentlich einen solchen Pilz zu essen, teilte das Klinikum heute mit. Für diese bestehe ein hohes Verwechslungsrisiko, da es in Syrien essbare Pilze gibt, die dem Knollenblätterpilz stark ähneln. Zudem würde der Knollenblätterpilz oftmals für den ungiftigen Wiesenchampignon gehalten.

 

In jüngster Zeit hatten sich Pilzvergiftungen gehäuft. In Münster und Hannover etwa wurden Mitte September mehr als 50 Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz registriert, ein 16-jähriger Syrer starb in der Uniklinik Münster an Leberversagen. Aufklärungskampagnen und mehrsprachige Plakate sollen weitere Vergiftungen verhindern. Seit Längerem warnt auch die Charité in den Einrichtungen, die sie medizinisch versorgt, vor dem tödlich giftigen Pilz. Sie rät dringend dazu, bei Auftreten von Unwohlsein nach dem Pilzverzehr unverzüglich den Giftnotruf zu kontaktieren oder eine Rettungsstelle aufzusuchen.

 

Der Knollenblätterpilz wächst vor allem in Laubwäldern und gehört zu den giftigsten Arten in Deutschland. 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen sind auf ihn zurückzuführen. Der Pilz hat keinen abstoßenden Geschmack und das Gift wirkt erst mehrere Stunden nach dem Verzehr. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Nach ein bis zwei Tagen kann es zur Schädigung der Leber kommen. Im schlimmsten Fall stellt diese ihre Funktion ein, sodass nur noch eine Lebertransplantation den Patienten retten kann. (com)

 

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13.10.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Filzwieser