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Studie: Fluglärm belastet das Herz erheblich

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Verkehrslärm gilt als zweitgefährlichstes umweltbedingtes Gesundheitsrisiko nach Luftschadstoffen, und jeder fünfte Europäer ist nachts regelmäßig einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelästigung ausgesetzt. Dies berichtete Ute Kraus vom Helmholtz-Zentrum München bei einer vom Pharmahersteller Heel unterstützten Pressekonferenz in München. Epidemiologische Untersuchungen hätten Zusammenhänge gezeigt zwischen chronischer Lärmbelastung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hörverlust, eingeschränkten kognitiven Leistungen, Schlafstörungen und psychischen Erkrankungen. Neuerdings gebe es Hinweise auf ein erhöhtes Diabetes-Risiko, sagte die Epidemiologin.

 

Die Augsburger Umweltstudie habe schon vor einigen Jahren gezeigt, dass bei einem Lärmlevel über 65 Dezibel die Herzfrequenz sofort steigt und die Herzratenvariabilität (HRV) abnimmt. Die HRV beschreibt die Fähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems, die Herzfrequenz den Erfordernissen spontan anzupassen, und wird über das autonome Nervensystem geregelt. Beide Effekte deuten laut Kraus auf eine Stressreaktion hin, die über das sympathische Nervensystem vermittelt wird. Aber auch Lärmpegel unter 65 dB(A) lösten Effekte aus, die vermutlich eher auf einer Abnahme der parasympathischen Aktivität beruhen.

 

«Fluglärm ist ein neuer Herz-Kreislauf-Risikofaktor», unterstrich Professor Dr. Thomas Münzel von der Uniklinik Mainz. Er erhöhe nachweislich die Rate an Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Dabei korreliere die Ärgerreaktion mit dem kardiovaskulären Risiko. «Und Fluglärm nervt die Menschen am meisten.»

 

In einer Studie zur Lärmwirkungsforschung in Mainz konnte eine Endotheldysfunktion als mögliche Ursache der Herz-Kreislauf-Risiken identifiziert werden. Die Simulation von 30 bis 60 Überflügen pro Nacht führte bei gesunden Probanden zu einer messbaren Endotheldysfunktion, zu grenzwertigem Blutdruckanstieg und Schlafstörungen, berichtete der Experte. Die Verschlechterung war messbar, auch wenn der Proband sich nicht über den Lärm ärgerte. «Externe Lärmquellen wie Fluglärm beeinflussen uns, auch wenn wir sie nicht bewusst wahrnehmen», resümierte Münzel.

 

Im Stadtverkehr entstehen in der Regel Lautstärken von 65 bis 85 dB(A), Presslufthammer sind bis zu 110 db(A) laut und ein startendes Flugzeug etwa 130 db(A). Die Schmerzschwelle mit potenzieller Gehörschädigung wird bei 120 db(A) angenommen. (bmg)

 

03.09.2015 l PZ

Foto: Fotolia/vitanovski