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Studie: Ärzte und Pfleger gemeinsam lernen lassen

Wissenschaftler plädieren für die Lockerung von Berufsschranken in medizinischen Berufen. In einem bundesweit einmaligen Modellprojekt haben Medizin- und Pflegestudierende aus Greifswald und Neubrandenburg von Oktober 2013 bis März 2015 gemeinsame Lehrveranstaltungen besucht und Ausbildungsabschnitte absolviert. Die streckenweise gemeinsame Ausbildung von angehenden Pflegern und Ärzten könne die medizinische Versorgung gerade in ländlichen Regionen verbessern, bilanzierten die Forscher aus der Versorgungsmedizin, Pflege und Betriebswirtschaft heute auf einer internationalen Fachtagung in Greifswald.

 

Durch das gemeinsame Lernen sei das Verständnis für die andere Berufsgruppe gewachsen. Die Studierenden seien «zufrieden» bis «begeistert» von den gemeinsamen Ausbildungsabschnitten gewesen, vor allem im praktischen Bereich, sagte der Greifswalder Versorgungsforscher Wolfgang Hoffmann. Für die Lockerung der Verantwortlichkeiten müssten allerdings noch rechtliche und formale Hürden genommen werden.

 

Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in medizinischen Berufen müssten die Berufsbilder stärker aufeinander abgestimmt werden, sagte Hoffmann. Die Alterung der Gesellschaft führe zu einer Zunahmen von Erkrankungen, in denen der Pflegebedarf besonders hoch ist. Auf der anderen Seite altert auch die Ärzteschaft. Von den niedergelassenen 2500 Ärzten war im Jahr 2012 fast jeder zweite älter als 50 Jahre. «In anderen Ländern wird bereits seit vielen Jahren praktiziert, dass die, die später zusammen arbeiten, auch zusammen lernen.»

 

Wenn Berufsschranken gelockert würden, könne der Arzt entlastet werden. Die Forscher sind überzeugt, dass bei Pflegekräften mit der Übernahmen von mehr Verantwortung die Berufszufriedenheit steigen wird. Als Beispiel nannten Helmut Schapper, Vertreter der Arbeitgeber in der Pflege, und der Krankenhaus-Betriebswirtschaftler Roman Oppermann die Betreuung und Versorgung von Diabetes-Patienten oder das Wundmanagement. Bislang müssten die Wundmaterialien vom Arzt verordnet werden. «Wenn die Schwester die Materialien verordnen könnte, wären drei Minuten im Ärztegespräch für andere Dinge frei.» Auch in der Betreuung von Demenz-Patienten sei eine stärkere Kooperation wünschenswert. 

 

11.09.2015 l dpa

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