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Pflegende schätzen ihre Gesundheit oft als «nicht gut» ein

Knapp 7 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, hochgerechnet etwa 4,7 Millionen Menschen, pflegen regelmäßig eine andere Person. Zwei Drittel der Pflegenden sind Frauen, ein Drittel Männer. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil pflegender Angehöriger vor allem bei den Frauen schnell an. Diese Zahlen veröffentlicht das Robert-Koch-Institut im neuen Heft zur Gesundheitsberichterstattung «Pflegende Angehörige – Deutschlands größter Pflegedienst» (GBE kompakt 3/2015).

 

Ein Drittel der Pflegenden erbringt demnach täglich mindestens zwei Stunden Pflegeleistungen – überwiegend im eigenen Haushalt – und gehört somit zu den Personen mit hohem Pflegeumfang. Fast neun von zehn Pflegepersonen betreuen Angehörige innerhalb oder außerhalb des eigenen Haushalts. Etwa einer von zehn engagiert sich in der Pflege von Freunden, Bekannten oder Nachbarn.

 

Pflegende mit hohem Betreuungsumfang schätzten im Vergleich zu Nicht-Pflegenden ihren Gesundheitszustand häufiger als «nicht gut» ein und berichteten häufiger über gesundheitliche Einschränkungen und psychische Belastungen, heißt es in dem Bericht. Statistische Unterschiede ergaben sich vor allem bei Frauen: Pflegende mit hohem Betreuungsumfang rauchen häufiger, gehen seltener zu Zahnvorsorgeuntersuchungen und treiben weniger Sport als nicht pflegende Frauen. Dagegen neigen sie seltener zu riskantem Alkoholkonsum.

 

Die Pflege naher Angehöriger hat laut dem Bericht aber auch viele positive Aspekte und gibt Kraft. Viele Pflegende gaben an, die Belastungen gut zu bewältigen. Dennoch seien die gesundheitlichen und psychischen Belastungen insbesondere bei der Pflege von Demenzerkrankten nicht zu unterschätzen, erklären die Autoren. Daher seien soziale Unterstützung im Umfeld und unterstützende Angebote besonders wichtig.

 

Heute findet ein bundesweiter Aktionstag Pflegende Angehörige statt, der auf die Leistung und Arbeit der Angehörigen aufmerksam machen will. Laut einer Pflegestudie der Techniker Krankenkasse ist jeder vierte pflegende Angehörige der Ansicht, dass seine Leistung nicht anerkannt wird. (bmg)

 

08.09.2015 l PZ

Foto: Fotolia/mickyso