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Apotheker ohne Grenzen versorgen Flüchtlinge

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Die Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) engagiert sich derzeit vielerorts für die medikamentöse Versorgung von nicht registrierten Flüchtlingen. Das bestätigte Projektkoordinatorin Carina Vetye-Maler im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung.

 

Demnach haben Regionalgruppen in Berlin, Hamburg und Rostock in Kooperation mit ehrenamtlich tätigen Ärzten die Beschaffung von Medikamenten für Menschen in Erstaufnahmelagern übernommen. «Die Mediziner und Pharmazeuten haben sich gemeinsam auf eine Auswahl der wichtigsten Wirkstoffe verständigt», sagte Vetye-Maler. Darunter fielen etwa bestimmte Antibiotika und Antiparasitika. Aufgabe der Apotheker sei es nun, den Arzneimittelbedarf zu evaluieren, Listen zu erstellen und die benötigten Medikamente von kooperierenden Apotheken zu beziehen.

 

Vetye-Maler betonte, dass dabei «natürlich die Gesetze eingehalten werden, auch wenn eine Notsituation vorliegt». AoG-Mitarbeiter bezögen die verschreibungspflichtigen Präparate auf ärztliche Verordnungen hin regulär aus öffentlichen Apotheken und unter Einhaltung der Preisbindung für Arzneimittel. In Berlin etwa hätten viele Kollegen Geld gesammelt und gespendet. Von diesem Geld würden nun die erforderlichen Arzneien bezahlt.

 

Die Helfer verteilen die Medikamente laut Vetye-Maler jedoch nicht direkt an die Flüchtlinge, sondern beliefern die Ärzte, die wiederum die Bedürftigen versorgen. Dies sei vergleichbar mit der Abgabe von Arzneimitteln in der Praxis aus dem Sprechstundenbedarf in der Erst- und Notfallversorgung, erklärte Vetye-Maler. In Notsituationen hätten Ärzte schließlich das Recht, Medikamente direkt an ihre Patienten auszuhändigen.

 

AoG setzt sich weltweit sowohl in der humanitären Hilfe als auch in der langfristigen Entwicklungshilfe ein. Meist arbeiten die ehrenamtlich tätigen Apotheker dabei in Katastrophengebieten und Entwicklungsländern. Dennoch unterscheide sich das Engagement in den Erstaufnahmelagern bezüglich der Organisation nicht wesentlich von den sonstigen Projekten, so Vetye-Maler. «Das System, das wir hier in der Flüchtlingsversorgung anwenden, ist das gleiche, das auch in der Nothilfe zum Einsatz kommt.» (cm)

 

22.09.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Jasmin Merdan