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Tattoo-Entfernung: Farbstoff setzt Blausäure frei

Tätowierungen wieder loszuwerden kann gefährlich sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat jetzt die Spaltprodukte analysiert, die bei Rubinlaserbestrahlung des Kupfer-haltigen Pigments Phthalocyanin-Blau entstehen. Dazu gehören 1,2-Benzendicarbonitril, Benzonitril, Benzol sowie Blausäure.

 

«Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass bei der Laserbehandlung eines Tätowierungspigments in wässriger Suspension Stoffe in Konzentrationen entstehen, die hoch genug wären, in der Haut Zellschäden zu verursachen», sagt BfR-Präsident Professor Dr. Andreas Hensel. Mögliche Risiken könnten je nach Größe der Tätowierung, Pigmentkonzentration, Körperstelle, Bestrahlungsdosis sowie der verwendeten Wellenlänge des Lasers unterschiedlich sein. Das BfR sehe weiteren Forschungs­bedarf und werde künftig mögliche Spaltprodukte von Farbstoffen bei seiner Risiko­bewertung berücksichtigen.

 

Verbraucher sollten sowohl über die möglichen Risiken von Tätowierungen als auch der Tattoo-Entfernung umfassend aufgeklärt werden, fordert das BfR. Die Ergebnisse zur Forschung bei der Tattoo-Entfernung wurden im Fachmagazin «Scientific Reports» veröffentlicht. Das BfR weist auf seiner Website bereits seit dem Jahr 2004 auf mögliche Risiken durch Tätowierungen hin.

 

Nicht länger erwünschte Tätowierungen werden oft durch Laserbehandlungen entfernt. Dabei werden die Farbpigmente durch den energiereichen Laserstrahl in kleine Fragmente zertrümmert, die dann mit der Lymphe abtransportiert werden. Daten zur Bewertung der Sicherheit der Entfernungsmethoden hatten bislang weitgehend gefehlt. Laut BfR sind zurzeit lediglich einige Azofarbstoffe auf ihre Spaltprodukte bei der Laserentfernung untersucht, nicht jedoch eher lichtbeständige Moleküle wie Phthalocyanine. So gab es zu Kupfer-Phthalocyanin, das auch als Phthalocyanin-Blau oder Pigment B15:3 bekannt ist, bisher keine Daten zu dessen Sicherheit als Tätowierungsmittel oder über dessen Zerfallsverhalten. Und das, obwohl Kupfer-Phthalocyanin das einzige in Tätowierungen verwendete blaue organische Pigment ist, das derzeit auf dem europäischen Markt erhältlich ist.

 

Während die Entfernung mittels Laser zu toxischen Spaltprodukten führen kann, steht bei der chirurgischen Entfernung des entsprechenden Hautareals die Infektionsgefahr im Vordergrund. Von der Verwendung flüssiger Tattoo-Entferner rät das BfR dringend ab. Bereits im Jahr 2011 wurden dem Institut einzelne Fälle gemeldet, in denen nach deren Anwendung unerwünschte Wirkungen auftraten. In einigen Fällen kam es demnach zu schweren Entzündungsreaktionen der Haut mit Narbenbildung. (com)

 

DOI: 10.1038/srep12915 1

 

17.08.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Djma