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Unabhängige Patientenberatung: Die Nachfolge steht fest

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Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Den Zuschlag für den künftigen Betrieb der gesetzlichen Patientenberatung hat tatsächlich die private Firma Sanvartis aus Duisburg erhalten. Dies wurde nach Angaben der «Berliner Zeitung» vergangenen Freitag aus Koalitionskreisen bestätigt. Demnach wird ab 2016 nun ein Unternehmen, das gleichzeitig auch Callcenter für Krankenkassen betreibt, die Nachfolge der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) antreten und die kommenden sieben Jahre Patienten in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen beraten. Nicht selten geht es dabei auch um Probleme der Versicherten mit ihren Krankenkassen.

 

Damit werde der Bock zum Gärtner gemacht, kritisierte Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler. Auch andere Kritiker beklagen das Ende einer wirklich unabhängigen Patientenberatung. So befürchtet der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten eine unwiederbringliche Zerstörung der teils seit Jahrzehnten gewachsenen unabhängigen Beratungsstrukturen. «Wir bezweifeln sehr, dass sich Sanvartis gegen interessengeleitete Avancen von Krankenkassen, Industrie oder Politik gegenüber inert erweisen wird», heißt es in einer Mitteilung. Die Apotheker fordern, die Patientenberatung weiterhin in den Händen nicht kommerzieller, unabhängiger Anbieter zu belassen.

 

Die UPD wurde 2006 als gemeinnützige Gesellschaft gegründet und ist seitdem mit der gesetzlichen Patientenberatung beauftragt. Bundesweit gibt es 21 Beratungsstellen. Finanziert wird diese Beratung vom GKV-Spitzenverband jeweils für eine Laufzeit von sieben Jahren. Danach wird der Auftrag neu ausgeschrieben. Vergangene Woche Donnerstag war die Ausschreibung de facto beendet. Der GKV-Spitzenverband hatte sich im Einvernehmen mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung Karl-Josef-Laumann (CDU) nach Abschluss einer europaweiten Ausschreibung für einen Bieter entschieden und nach eigenen Angaben alle anderen Bieter über die Absage informiert. Diese hätten nun zehn Tage Zeit, den Ausschreibungsprozess zu prüfen, hieß es beim GKV-Spitzenverband. «Gibt es keine Einsprüche, wird nach Fristablauf der Zuschlag erteilt.» (et)

 

13.07.2015 l PZ

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