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Fett und Öl sind besser als ihr Ruf

Auf dem Gebiet der Ernährungsforschung findet derzeit ein Umdenken statt: Auf Fett zu verzichten bringt nicht automatisch einen gesundheitlichen Vorteil mit sich. Viel entscheidender als der Anteil des Fetts an der täglichen Gesamt-Kalorienzufuhr sei die Qualität der aufgenommenen Fette. Das hielt ein Komitee von US-amerikanischen Ernährungsexperten (DGAC) kürzlich in einer Empfehlung zur Überarbeitung der Ernährungsleitlinie fest.

 

Bislang galt eine fettarme Ernährung als gesund. Der Paradigmenwechsel setzt sich jedoch auch in Deutschland durch. Zwar weise Fett von allen Nahrungsbestandteilen die höchste Energiedichte auf, bei gleicher Kalorienaufnahme korreliere ein erhöhter Fettanteil an der Gesamt-Energiezufuhr jedoch mit «wahrscheinlicher Evidenz» nicht mit einem erhöhten Risiko für Adipositas, Diabetes mellitus Typ II, koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall oder Krebs, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrer überarbeiteten Leitlinie zur Fettzufuhr.

 

Dabei ist allerdings die Zusammensetzung der Fette zu beachten. Eine Aufnahme gesättigter Fettsäuren von mehr als 10 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr wird nach wie vor kritisch betrachtet. Gesättigte Fettsäuren sollten laut DGE möglichst durch mehrfach ungesättigte ersetzt werden. So ließen sich der Gesamt-Cholesterolwert sowie der LDL-Spiegel senken. Gleichzeitig reduziere sich das Risiko, an KHK zu erkranken, mit «wahrscheinlicher Evidenz», heißt es in der Leitlinie. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in Pflanzenölen, Fettfischen und Nüssen enthalten.

 

Die positiven Effekte von mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf das Herz-Kreislauf-System hatten sich bereits in der PREDIMED-Studie gezeigt. Dabei wurden etwa 7500 Frauen und Männer mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko in drei Gruppen eingeteilt. Zusätzlich zu einer mediterranen Ernährung in allen Gruppen sollten die Probanden in Gruppe eins eine Flasche Olivenöl pro Woche zusätzlich verzehren, die zweite Gruppe erhielt 30 g gemischte Nüsse täglich. Gruppe drei wurde aufgefordert, sich möglichst fettarm zu ernähren.

 

Nach knapp fünf Jahren zeigte sich für Gruppe eins und zwei ein deutlich vermindertes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten im Vergleich zur Kontrollgruppe rund 30 Prozent seltener auf. Auch die Gefahr, an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken, lag wesentlich niedriger. (cm)

 

DOI: 10.1056/NEJMoa1200303; 10.7326/M13-1725

 

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17.07.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Dušan Zidar