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AMTS: Rezepteinlösung elektronisch rückmelden

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Zur Verbesserung der Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS) braucht es Schnittstellen-übergreifende Maßnahmen beim Medikationsprozess. Das forderte Professor Dr. Walter E. Haefeli, ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg heute beim Hauptstadtkongress Berlin. Ärzte bräuchten vom Apotheker eine Rückmeldung darüber, dass der Patient sein Rezept auch eingelöst habe. Haefeli zufolge werden rund 10 Prozent aller Verordnungen von den Patienten erst gar nicht in der Apotheke abgegeben. Weitere 10 Prozent würden zudem nicht sofort, sondern erst am dritten Tag nach Verordnung eingelöst, was hinsichtlich der jeweiligen Indikation unter Umständen gefährlich sein könnte.

In anderen Fällen, beispielsweise beim Online-Versand, wäre solch eine IT-Unterstützung längst gang und gäbe, so Haefeli. Hier könnten Auftraggeber und Auftragnehmer beispielsweise den Sendestatus abrufen. Im Gesundheitsbereich sei solch eine qualitätsbildende Maßnahme sinnvoll, da sie die AMTS erhöhe.

Auch beim Verordnungsprozess selbst brauche es dringend eine elektronische Entscheidungsunterstützung für die Ärzte, sagte Haefeli. Demnach gibt es hierzulande bislang nur wenige Krankenhäuser, die mit einer IT-gestützten Arzneimittelverordnung, einer sogenannten CPOE-Plattform (Computerized Physician Order Entry) arbeiten. Gerade bei multimorbiden Patienten, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssten, komme es bislang regelmäßig zu Verordnungsfehlern. Laut Haefeli ereignet sich rund die Hälfte solcher Medikationsfehler am ersten Krankenhaustag.

Solche elektronischen Verordnungsplattformen müssten von einer Wissensdatenbank gestützt sein, damit der Arzt bei kritischen Verordnungen sofort gewarnt wäre. Zudem sollten dort auch die Patientendaten in Bezug auf andere eingenommen Medikamente hinterlegt sein. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und gefährliche Wechselwirkungen könnten so verhindert werden, betonte Haefeli. Für den Patienten sei ein elektronischer Medikationsplan ebenfalls sehr hilfreich. Dieser sollte in der jeweiligen Landessprache des Nutzers verfügbar sein und ausführliche Anwendungshinweise liefern. (et)

 

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12.06.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Les Cunliffe