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USA: Doppelkinn einfach wegspritzen

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Menschen mit ausgeprägtem Doppelkinn haben eine neue Therapieoption: Als Alternative zur chirurgischen Behandlung lässt sich mit Desoxycholsäure der störende Truthahnhals einfach wegspritzen. In den USA wurde das Desoxycholsäure-haltige Fertigarzneimittel KybellaTM von Kythera Biopharmaceuticals zur Behandlung dieses kosmetischen Problems zugelassen.

Kybella wird als subkutane Injektion in das submentale Fettgewebe gespritzt. Desoxycholsäure ist eine sekundäre Gallensäure, die im menschlichen Darm von Darmbakterien aus primären Gallensäuren gebildet wird. Sie hat zellauflösende (zytolytische) Eigenschaften. Nach der Injektion kommt es zur Zerstörung der Zellmembran, die Fettzellen platzen und die Zellreste werden von Phagozyten und Makrophagen entfernt.

Kybella kann bei Erwachsenen mit mittelschwerem bis schwerem Doppelkinn eingesetzt werden. Zur Behandlung von Fettablagerungen außerhalb des submentalen Bereiches ist das Arzneimittel nicht zugelassen und wird von der FDA auch nicht empfohlen. Kybella sollte nicht verwendet werden, wenn die Injektionsstelle infiziert ist. Vorsicht ist auch bei Patienten geboten, bei denen zuvor eine chirurgische oder ästhetische Behandlung des submentalen Gebietes durchgeführt wurde.

Die Patienten können bis zu 50 Injektionen in einer einzigen Behandlung erhalten. Bis zu sechs Einzelbehandlungen sind möglich, die aber nicht weniger als einen Monat auseinander liegen dürfen. Die Behandlung sollte nur von entsprechend medizinisch ausgebildetem Fachpersonal durchgeführt werden. Denn die subkutane Applikation birgt auch Risiken: Wird die Injektion nicht exakt in das submentale Fettgewebe verabreicht, sondern versehentlich in benachbarte Hautzellen injiziert, können diese zerstört werden. Blutergüsse und Schwellungen können die Folge sein. Daneben können Schmerzen, Taubheitsgefühl, Rötungen  und Verhärtungen im Behandlungsbereich auftreten. Bei unsachgemäßer Anwendung kann Kybella auch schwere Nebenwirkungen, einschließlich einer Nervenverletzung im Kiefer, verursachen. Es kann zu einer Schwäche der Gesichtsmuskulatur (schiefes Lächeln) und Schwierigkeiten beim Schlucken kommen. (rt)

 

08.05.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Eisenhans