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Medikamentöse HIV-Prophylaxe in Deutschland gefordert

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Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) hat gefordert, deutschen Patienten mit einem hohen Risiko für eine Ansteckung mit HIV vorbeugend die Fixkombination aus Emtricitabin und Tenofovir (Truvada®) zur Verfügung zu stellen. Das Medikament ist in den USA bereits seit 2012 für nicht HIV-infizierte Menschen zugelassen, die einer Risikogruppe angehören. Zu ihnen gehören etwa sexuell aktive Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), Männer und Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, die nie oder nicht immer Kondome benutzen sowie Konsumenten intravenöser Drogen. Die Methode wird als Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) bezeichnet.

In Deutschland ist Truvada bislang nur für HIV-Infizierte zugelassen. Neuansteckungen versucht man hierzulande vor allem mit frühzeitigen Tests und Präventionskampagnen vorzubeugen. Diese reichten jedoch bislang nicht, um die Zahl der Neuinfektionen vor allem unter MSM nachhaltig zu senken, so die dägna.

Die Organisation erklärte nun, Studien in den USA hätten die Wirksamkeit von PrEP vor allem unter MSM eindeutig belegt. Es sei deshalb angezeigt, die Methode auch in Deutschland einzuführen. Selbstverständlich sei die Therapie mit Truvada teuer und nicht frei von Nebenwirkungen, weshalb das Präparat HIV-Negativen nur von erfahrenen Ärzten verordnet und in ein Gesamtkonzept der Prävention eingebettet werden müsse. «Aufklärung und Kondomgebrauch sind weiterhin notwendig», so die Ärzteorganisation.

Andererseits könne die Therapie Neuinfektionen und damit hohe Kosten einer lebenslangen antiretroviralen Therapie eben tatsächlich verhindern. In den kommenden Jahren werde es außerdem Generika von Truvada geben, wodurch die Therapie günstiger wird. Damit Truvada hierzulande auch Nichtinfizierten verordnet werden kann, müsse die Europäische Arzneimittelagentur nun zunächst die Zulassung für das Mittel erweitern, fordert die dagnä. Anschließend müsse die Methode in einer Modellstudie erprobt werden. Zuletzt müsse man dann mit den Kassen ins Gespräch kommen, ob sie die Kosten auch für Nichtinfizierte übernehmen. Falls dies nicht eintritt, müsse der Preis für das Medikament erheblich sinken, so die dagnä. (ah)

 

15.05.2015 l PZ

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