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Besser verträglich: Hände desinfizieren statt waschen

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Die Hände häufig zu reinigen, ist der beste Schutz vor Krankheitsübertragung. Darauf macht das Robert-Koch-Institut (RKI) anlässlich des heutigen Internationalen Tags der Händehygiene aufmerksam. Im «Epidemiologischen Bulletin» verrät das RKI auch gleich, wie’s geht: Statt sie zu waschen, sollte man die Hände lieber desinfizieren. Gerade bei trockener Haut ist das günstiger, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

 

Eine intakte Hornschicht (Stratum corneum) ist unabdingbar für die Barrierefunktion der Haut. Durch Waschen mit Wasser und Flüssigseife oder seifenfreien Tensiden leidet die Barriere, da Lipide aus der Hornschicht herausgelöst und weggespült werden. Die Haut kann diese Substanzen nur verzögert ersetzen, sodass es zu einer Entfettung kommt. Beim Waschen wird zudem Wasser in die oberen Schichten des Stratum corneum eingelagert, was insbesondere bei trockener Haut ein angenehmes Gefühl erzeugt. Dieses Wasser verdunstet allerdings innerhalb von acht bis zehn Minuten.

 

Auch Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis lösen Hautfette aus der Hornschicht heraus. Diese gehen jedoch nicht verloren, da die Hände nach dem Desinfizieren üblicherweise nicht abgespült werden. Ethanol, Propanol oder Isopropanol, die die Basis nahezu aller in Deutschland gebräuchlicher Händedesinfektionsmittel bilden, sind gut verträglich, erzeugen aber auf vorgeschädigter Haut ein brennendes Gefühl. Deshalb auf die Desinfektion zu verzichten und stattdessen die Hände nur zu waschen, wäre aber genau der falsche Ansatz, da dadurch der Haut zusätzlich Fett entzogen wird.

 

Auch die Hände direkt nach dem Waschen zu desinfizieren ist ungünstig, da das in der Hornschicht eingelagerte Wasser das Desinfektionsmittel verdünnt. Schlimmer ist laut RKI nur die umgekehrte Reihenfolge, die Hände also zuerst zu desinfizieren und dann zu waschen. Ganz abgesehen davon, dass das mikrobiologisch betrachtet relativ wenig Sinn ergibt, «ist dieses Vorgehen aus Sicht des Hautschutzes kaum an Schädigung zu überbieten, da Hautfette zunächst durch den Alkohol angelöst und dann durch die Waschung fortgespült werden», so das RKI.

 

Desinfizieren statt waschen, lautet also die Devise, die Hygiene und Hautschutz bestmöglich vereint. Weitere Tipps, mit denen sich Hautschäden vermeiden lassen, sind: unnötig langes Waschen und Bürsten der Hände vermeiden, Einmalhandschuhe nicht mit noch feuchten Händen anziehen und maximal 15 Minuten tragen, bei bestehenden Infektionen oder Schäden der Haut Tätigkeiten vermeiden, bei denen die Hände häufig gereinigt werden müssen. (am)

 

05.05.2015 l PZ

Foto: Fotolia/contrastwerkstatt