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Tag gegen Lärm: Kinderohren besser schützen

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Kinder sind oft und gerne laut, doch Dauerlärm macht auch ihnen zu schaffen. Der diesjährige Tag gegen Lärm am 29. April stellt das Problem in den Mittelpunkt. Sein Motto: «Lärm – voll nervig!» «Kindern scheint Lärm oft relativ wenig auszumachen, aber schon der Pegel in einem Klassenzimmer kann belastend sein, noch heftiger ist die Pausenhalle, wenn es kalt ist oder regnet», sagt Professor Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp, Akustik-Spezialistin an der TU Berlin und Leiterin des Aktionstags in Deutschland. Denn Rufen, Lachen und Schreien der Kinder, das 80 Dezibel erreichen kann und damit deutlich über der normalen Gesprächslautstärke von etwa 60 Dezibel liegt, werden durch ungünstigen Raumhall noch verstärkt. «Akustisch und optisch kann man da einiges verbessern. Wir haben für einen Wettbewerb 800 Architekten angeschrieben, um ein leises Klassenzimmer zu gestalten», sagt Schulte-Fortkamp. Das soll nun beispielhaft an einer Berliner Grundschule geschehen.

 

Doch nicht nur der selbstproduzierte und dann räumlich verstärkte Lärm beschallt den Nachwuchs. Starker Verkehrslärm, vor allem durch Flugzeuge, kann schulische Leistungen mindern. So wies bereits die RANCH-Studie (2005) auf verschlechterte Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion bei Dauerlärm hin. Ende 2014 zeigte die langfristig angelegte NORAH-Studie, dass die Leseleistung von Kindern in fluglärmbelasteten Schulen schlechter ist als in leiseren Lernumgebungen. 

 

Mit ausleihbaren «Lärmkoffern» will die Deutsche Gesellschaft für Akustik die Aufmerksamkeit für das, was man sich so aufs Ohr gibt, auch bei Schülern steigern: Neben Schallpegelmessgerät und Stimmgabeln finden sie in dem Koffer auch ein überdimensionales Silikonohr. Dort können sie ein MP3-Gerät anstöpseln und sehen, was dann im Innenohr geschieht. «MP3 ist nach wie vor ein großes Thema, denn für alles, was direkt ins Ohr geht, hat man keine Kompensationsmöglichkeiten – und die voreingestellten Höchstlautstärken sind leicht zu knacken», sagt die Akustikexpertin. Fünf Minuten laute Musik seien ok. «Aber bitte nicht dauerhaft», warnt die Schulte-Fortkamp. Wer stundenlang einen Knopf im Ohr hat, sollte 60 Dezibel nicht überschreiten. Auf Konzerten und in Clubs erreicht der Schallpegel sogar etwa 110 Dezibel, was ungefähr dem Tanzen direkt neben einem Presslufthammer entspricht.

 

Eine Zunahme von Hörschäden bei Jugendlichen sei seit Jahren schon messbar. «Auch wenn man nie genau nachweisen kann, woher sie kommen», räumt Schulte-Fortkamp ein. Schon der Kinder-Umwelt-Survey (2003/2006) des Umweltbundesamts zeigte, dass etwa jeder achte Heranwachsende zwischen 8 und 14 Jahren einen Hörverlust von 20 Dezibel bei mindestens einer Testfrequenz hatte. «Freizeitlärm könnte eine der Ursachen für diese Hörverluste sein», so das UBA. Therapierbar seien diese Schäden nicht.

 

28.04.2015 l dpa

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